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Studie zu Kooperationen von Schule und Kultur

von Thomas Frey (Referent für Kulturpolitik und Stadtentwicklung)
Januar 2011


Kooperationen zwischen Kultur und Schule - den meisten sind die im besten Sinne spektakulären Projekte wie die Kooperation der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit der Gesamtschule Ost bekannt. Weniger bekannt ist jedoch der überwiegende Teil der vielfältigen Projekte, die nicht die Aufmerksamkeit der Medien erregen. Doch was macht diese Projekte aus? Was bewirken sie und wie sind die Rahmenbedingungen für schulische und kulturelle Zusammenarbeit? Um das herauszufinden, hat die Arbeitnehmerkammer eine Studie in Auftrag gegeben.

Adrian Rudershausen hat als Verfasser der Studie ›Nachhaltige Allianzen zwischen Schule und Kultur‹ qualitative Interviews in Bremen durchgeführt. Exemplarisch wollten wir so der Frage nachgehen, ob sich nachhaltige Effekte bei Schülern und Schülerinnen, bei den Schulen und den kooperierenden Kultureinrichtungen feststellen lassen. Denn aus der erfolgreichen Kooperation der Kulturwerkstatt westend mit der Allgemeinen Berufsschule Bremen (ABS) wussten wir, dass sowohl Schüler als auch Kulturschaffende von der Zusammenarbeit profitieren. Es werden Schlüsselkompetenzen vermittelt, die Persönlichkeit und die soziale Kompetenz werden gestärkt. Angesichts der immer anspruchsvoller werdenden Anforderungen im Berufsleben sind diese Kompetenzen wichtig, um den Übergang von der Ausbildung zum Beruf und für die erfolgreiche Gestaltung des Berufslebens zu meistern. ABS und westend wurden für ihr Konzept zuletzt sogar mit dem Integrationspreis 2009 der Bundesregierung für die allgemeine Integrationsarbeit und die spezielle Kulturarbeit ausgezeichnet.

Auch die Studie zeigt nun: Kulturelles Lernen stärkt alle Schüler und Schülerinnen und hilft ihnen, in ihrem späteren Berufsleben zurechtzukommen. Insbesondere jedoch profitieren gerade die jungen Menschen davon, die sich im normalen und auf bestimmte Leistungsaspekte beschränkten Schulbetrieb zunächstnicht wiederfinden - gelegentlich  dadurch auch an den Rand gedrängt werden. Insofern sind Kooperationen mit Kultureinrichtungen, die eben diese anderen, kulturellen Lernräume ermöglichen, ein wichtiger Schritt auf dem Weg, möglichst alle Schüler und Schülerinnen zu integrieren und ihnen beim Übergang zum Berufsleben zu helfen.

Für die Schulen ergibt sich aus der Kooperation mit Kultureinrichtungen eine hervorragende Möglichkeit, sich dem Stadtteil gegenüber zu öffnen. Gegenseitige Hemmschwellen zwischen Kultur und Schule können auf lokaler Ebene abgebaut werden. Die Schule rückt näher an das Leben im Stadtteil und lässt sich auf diesen noch stärker und vor allem aktiver ein, als die dortigen Verhältnisse nur als sozialen Hintergrund der Schüler und Schülerinnen zu sehen.

Für die Kultur stellen sich langfristig betrachtet zusätzliche positive Effekte ein. Durch einen frühzeitigen Kontakt mit jungen Menschen wird deren aktive Teilhabe am kulturellen Angebot der Stadt in besonderer Weise erleichtert. Schüler und Schülerinnen werden in einen kulturellen beziehungsweise künstlerischen Produktionsprozess eingebunden. Sie lernen Kultur von der Produktionsseite kennen, können diese aktiv mitgestalten und ihre Themen und kulturellen Vorstellungen einbringen. Kunst und Kultur werden nicht mehr als etwas Fremdes an sie herangetragen, sondern als etwas, was man unmittelbar erleben kann. Nicht zuletzt lernen sie punktuell auch künstlerische Techniken und Qualifikationen und zeigen diese zum Abschluss in der Öffentlichkeit.

Kunst und Kultur können ihre Potenziale für ein anderes Lernen aber nur entfalten, wenn für die Arbeit mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern im Rahmen des Schulalltags Freiräume geschaffen werden. Dies setzt gegenseitigen Respekt voraus - vor der Professionalität des Künstlers und der Künstlerin, aber auch vor der schulpädagogischen Kompetenz. Es geht darum, die unterschiedlichen Qualitäten des Systems Kultur und des Systems Schule miteinander zu verbinden. Nur wenn es gelingt, auf einer gemeinsamen Plattform die beiden Systeme produktiv zu etwas Neuem zu verbinden, wird eine gegenseitige Instrumentalisierung verhindert. Allianzen unter partnerschaftlichen Vorzeichen sind der richtige Weg und nicht Überlegungen, die Kultur lediglich als Abrundung des schulischen Angebots zu verstehen. Deswegen unterstützt die Arbeitnehmerkammer den Aufbau einer Kultur der Partnerschaft, die an den positiven Beispielen in Bremen anknüpfen kann, mit allem Nachdruck. Um auf diesem Weg weiterzukommen, fordert und regt die Arbeitnehmerkammer Folgendes an, umzusetzen:

  • Jeweils ein/e Ansprechpartner/in in den Ressorts Kultur und Bildung, die ressortübergreifend den Erfahrungsaustausch unter den Akteuren organisieren und den Informationsaustausch zwischen den beiden Ressorts sicherstellen. Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen reichen dafür nicht aus.
  • Das Nebeneinander muss zu einem Miteinander werden. Kooperationen zwischen Schule und Kultur brauchen verstärkt den politischen Rückhalt, der auch die Übergänge zwischen den beiden Systemen ›Schule‹ und ›Kultur‹ erleichtert. Deswegen fordert die Kammer dazu auf, eine ressortübergreifende politische Neuausrichtung vorzunehmen, die zu inhaltlich und finanziell abgestimmten Förder- und Finanzierungsstrategien führt.
  • Die Stundensätze für Vermittlungsarbeit an den Schulen sind zu niedrig. Um eine qualitativ hochwertige Arbeit leisten zu können, darf man nicht allein auf den Idealismus der Kulturschaffenden hoffen.
  • Um die positiven Ansätze qualitativ und in der Breite weiterzuentwickeln und das bereits erreichte Niveau abzusichern, sollte in Absprache mit den Akteuren ein Weg der Erfahrungssicherung, des Erfahrungstransfers und der sinnvollen Fortbildung gefunden werden, der sich auf die spezifische Form künstlerischer Vermittlungsarbeit an Schule konzentriert. Dies könnte zum Beispiel in der Form eines exemplarischen Kooperationsmodells - im Sinne eines Leitfadens und nicht eines zwingenden Musters - geschehen. Ziel ist es, Erfahrungen, Erkenntnisse, notwendige Rahmenbedingungen allgemein zugänglich und übertragbar zu machen. Die Arbeitnehmerkammer ist bereit, an der Umsetzung dieser Forderung mitzuwirken.


Weitere Informationen:
 

Die Studie zum Download: Nachhaltige Allianzen zwischen Schule und Kultur (pdf, 2.7 MB), November 2010, Herausgeberin: Arbeitnehmerkammer Bremen, Verfasser: Adrian Rudershausen

Aritkel "Kulturelles Lernen stärkt. Schüler erlagen Schlüsselkompetenzen."