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Hinzuverdienstgrenzen bei Altersrenten

16. Oktober 2012
von Johannes Steffen, Referent für Sozialpolitik


Unabhängig davon, ob Rentner dazuverdienen müssen, weil ihre Rente so niedrig ist oder sie arbeiten wollen, weil sie sich noch fit fühlen – für alle stellt sich die Frage, worauf man beim Hinzuverdienst achten muss. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze kann unbegrenzt hinzuverdient werden. Bei vorgezogenen Altersrenten ist das anders.

Altersrenten sind monatliche Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung, die Versicherte ab einem bestimmten Alter erhalten können, wenn sie die sonstigen Voraussetzungen erfüllen. Die sogenannte Regelaltersrente konnte bis Ende 2011 mit 65 Jahren gezahlt werden. Die Regelaltersgrenze wird ab 2012 für nach 1946 geborene Versicherte schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Die Hinzuverdienstgrenzen für vorgezogene Altersrenten unterscheiden sich danach, ob die Altersrente als Vollrente oder als Teilrente bezogen wird. Als Hinzuverdienst ist nur Arbeitsentgelt (aus abhängiger Beschäftigung) und Arbeitseinkommen (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb oder selbstständiger Tätigkeit) zu berücksichtigen.

Vorgezogene Altersrente
Im Zuge der Anhebung der Altersgrenzen für Altersrenten, von der ab 2012 auch die Regelaltersgrenze betroffen ist, können bestimmte Altersrenten auf Antrag schon früher (vorzeitig) in Anspruch genommen werden. Bei der vorzeitigen Inanspruchnahme der Altersrente muss allerdings in der Regel eine Minderung der Rente, der sogenannte Rentenabschlag, in Kauf genommen werden.

Wird die vorgezogene Altersrente als Vollrente bezogen, so beträgt die monatliche Hinzuverdienstgrenze 400 Euro. Ein Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen sieht ab kommendem Jahr eine Anhebung dieser ›Geringfügigkeitsgrenze‹ auf 450 Euro vor. Ein zweimaliges Überschreiten dieser Grenze im Laufe eines Kalenderjahres – etwa bei Fälligkeit von Einmalzahlungen – jeweils bis zum Doppelten des Grenzbetrages (800 Euro) ist zulässig.

Daneben besteht die Möglichkeit, statt der Vollrente eine Teilrente in Höhe von einem Drittel, der Hälfte oder zwei Dritteln der Vollrente zu beziehen; entsprechend sind die Hinzuverdienstgrenzen gestaffelt. Bei Teilrentenbezug errechnet sich die monatliche Hinzuverdienstgrenze als Produkt aus einem gesetzlich vorgegebenen Multiplikator, der monatlichen Bezugsgröße (Durchschnittsentgelt) und der Summe der Entgeltpunkte (EP) aus den letzten drei Kalenderjahren vor Rentenbeginn – mindestens aus 1,5 EP. Wird die Hinzuverdienstgrenze überschritten, so besteht nur noch ein Anspruch auf die nächstniedrigere Teilrente, sofern deren Hinzuverdienstgrenze eingehalten wird. Auch hier ist ein zweimaliges Überschreiten der Grenze im Laufe eines Kalenderjahres jeweils bis zum Doppelten der maßgebenden Hinzuverdienstgrenze zulässig.

Entgeltpunkte (EP) werden dem Versicherten als Zahlenwerte für jedes Jahr in seinem Konto gutgeschrieben. Ihr Wert ist abhängig von der Höhe des eigenen Arbeitsentgelts im Verhältnis zum Durchschnitt aller Versicherten. Wer in einem Kalenderjahr genauso viel verdient hat wie das Durchschnittsentgelt aller Versicherten, erhält dafür einen Entgeltpunkt. Für die Berechnung der Rente wird die Summe aller Entgeltpunkte in die Rentenformel eingesetzt.

Hinzuverdienstgrenzen bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
Am 1.1.2001 trat das Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Kraft; an die Stelle der bisherigen Berufsunfähigkeits-/Erwerbsunfähigkeitsrenten trat ein zweistufiges System der Erwerbsminderungsrenten:

  • Eine halbe Erwerbsminderungsrente erhalten Erwerbsgeminderte bei einem Restleistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von drei bis unter sechs Stunden täglich (Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung).
  • Eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten Erwerbsgeminderte bei einem Restleistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt von unter drei Stunden täglich (Rente wegen voller Erwerbsminderung). Eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten auch teilweise Erwerbsgeminderte, die ihr Restleistungsvermögen wegen Arbeitslosigkeit nicht in Erwerbseinkommen umsetzen können.

Die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kann in voller Höhe oder in Höhe der Hälfte geleistet werden. Die Rente wegen voller Erwerbsminderung kann in voller Höhe oder in Höhe von drei Vierteln, der Hälfte oder von einem Viertel geleistet werden. Entsprechend sind die Hinzuverdienstgrenzen ausgestaltet. Das Berechnungsverfahren zur Bestimmung der Hinzuverdienstgrenzen entspricht dem bei Altersrenten. Ein Hinzuverdienst bis zur Geringfügigkeitsgrenze von derzeit 400 Euro ist auch bei Erwerbsminderungsrenten immer möglich.


Weitere Informationen:
 

  • ›Altersrentner: So viel können Sie hinzuverdienen‹, Deutsche Rentenversicherung Bund, Juli 2012
  • ›Minijobs. Wichtiges über geringfügige Beschäftigungsverhältnisse bis 400 Euro‹, Faltblatt der Arbeitnehmerkammer Bremen (erhältlich in den Geschäftsstellen oder unter www.arbeitnehmerkammer.de)
Quellen:
  • ›Das Renten-ABC‹, Deutsche Rentenversicherung Bund, März 2012
  • ›Von Altersgrenze bis Zeitrente – das Rentenlexikon‹, Deutsche Rentenversicherung Bund, November 2011