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Befragung

02. April 2014
von Elke Heyduck
(Geschäftsführerin und Leiterin der Politikberatung)

Fast 60.000 Minijobber und Minijobberinnen arbeiten alleine in der Stadt Bremen, in Bremerhaven noch einmal rund 11.500. Und: Auch wenn die schiere Zahl der geringfügig Beschäftigten nach einer deutlichen Zunahme durch die Hartz-Reformen seit ein paar Jahren wieder stagniert – es ändert sich doch die Zusammensetzung dieser Gruppe von Beschäftigten. Immer häufiger zum Beispiel sind auch Männer Minijobber, so stieg etwa in Bremerhaven am deutlichsten die Zahl der minijobbenden im Baugewerbe. Was sich leider nicht ändert, ist, dass geringfügig Beschäftigte oft nicht die gleichen Rechte bekommen wie "Normalarbeitnehmer".

Grund genug für uns als Arbeitnehmerkammer, diejenigen Minijobberinnen und Minijobber zu befragen, die im Jahr 2013 den Rat der Kammerjuristen suchten und uns ein paar Fragen zu ihrem Arbeitsverhältnis beantworteten. Die Befragung soll uns helfen, unser Beratungsangebot zu verbessern, aber auch darauf aufmerksam zu machen, in welcher Situation sich die Bremer Minijobber befinden.

Während landesweit inzwischen rund 40 Prozent der geringfügig Beschäftigten Männer sind, haben an unserer Befragung deutlich mehr Frauen teilgenommen (76 Prozent). Drei Viertel der Befragten übten "nur" den Minijob aus, die anderen hatten dazu eine Haupterwerbstätigkeit. Immerhin acht Prozent hatten mehrere Minijobs gleichzeitig. Und ebenso viele übten ihren Minijob in ihrem "Ruhestand" aus.

Den größten Anteil unter den Befragten hatten Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen und der Altenpflege. Erwartungsgemäß waren auch Branchen wie die Gebäudereinigung, der Einzelhandel und das Gastgewerbe stark vertreten – in Letzterem ist bremenweit nicht einmal mehr jeder zweite Job sozialversicherungspflichtig.

Minijobs und Qualifikation
Wir wollten auch wissen, welche Qualifikationen die von uns befragten geringfügig Beschäftigten mitbrachten, denn immerhin war eine der Begründungen
für die "flächendeckende Einführung" der Minijobs, dass sie gering Qualifizierten einen Einstieg ins Arbeitsleben verschafften. Dieses ist inzwischen mit vielen Studien widerlegt und auch bei unserer Befragung verfügten weit mehr als die Hälfte der befragten Ratsuchenden über eine Berufsausbildung auf Fachkräfteniveau, rund zehn Prozent hatten einen Hochschulabschluss. Auffällig war, dass viele Minijobber unterwertig, als unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, beschäftigt sind. Exemplarisch seien hier die Rechtsanwaltsund Notariatsfachangestellte, die Krankenschwester, der Flugzeugbauingenieur oder die Kinderpflegerin benannt, die geringfügig als Reinigungskraft beschäftigt sind. Dagegen geben ausgebildete Pflegefachkräfte relativ häufig an, ihre geringfügige Beschäftigung auch tatsächlich in dieser Branche auszuüben.

Arbeitszeiten und Stundenlöhne

Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, feste Arbeitszeiten zu haben, bei knapp einem Drittel waren die Arbeitszeiten schwankend
und flexibel. Für uns eine entscheidende Botschaft: Fast die Hälfte der Befragten gab an, gerne mehr Stunden arbeiten zu wollen. Kein Wunder, denn hinzu kam, dass wiederum ein großer Teil derer, die hierzu Angaben machten, einen Stundenlohn unter 8,50 Euro erhielten – besonders häufig in den Branchen Einzelhandel, Gastgewerbe und Gebäudereinigung anzutreffen. Der niedrigste Stundenlohn wurde mit fünf Euro angegeben. Übrigens: Ein akademischer Abschluss führt nicht zwingend zu einem höheren Stundenlohn. Die Gruppe der Akademikerinnen und Akademiker verdiente im Durchschnitt 9,22 Euro. Knapp ein Viertel der Befragten gehörte zu den sogenannten Aufstockerinnen und Aufstockern: Menschen, die, trotzdem sie einer Arbeit nachgehen, Arbeitslosengeld II oder Hartz-IV-Leistungen beziehen müssen.

Insgesamt decken sich die Ergebnisse unserer Befragung in etwa mit bundesweiten Erkenntnissen. Und nach wie vor sind wir angesichts dieser Zahlen der Auffassung, dass wieder deutlich mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit an die Stelle der Minijobs treten muss. Insbesondere diejenigen, die gerne mehr arbeiten würden und möglicherweise – das legen die Zahlen jedenfalls nahe – Lohndiskriminierung erfahren, also einen schlechteren Stundenlohn bekommen als ihre "normal" arbeitenden Kollegen, sind mit dem Minijob sehr schlecht bedient. Immer mehr Männer, aber doch noch am häufigsten Frauen. Nicht nur für die Beschäftigten, auch für Arbeitgeber lägen reelle Vorteile darin, mehr sozialversicherungspflichtige (Teilzeit-)Verhältnisse zu schaffen und Minijobs umzuwandeln. Dabei geht es nicht nur ums Geld. Aspekte wie Mitarbeiterbindung, Loyalitätsgewinn, Leistungssteigerung, Verbesserung des Arbeitsklimas, wie auch – aufseiten des Arbeitnehmers – eine höhere Motivation, mehr Sicherheit und die Gleichbehandlung mit Kollegen spielen eine Rolle. Nach wie vor fordert die Arbeitnehmerkammer daher, dass Wirtschafts- und Arbeitsressort wie auch das Jobcenter offensiv auf Arbeitgeber zugehen, um möglichst viele Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln.

 

 



Bettina Graue
Rechtsberaterin in der Arbeitnehmerkammer Bremen

"Es kommen regelmäßig Minijobberinnen und Minijobber zu uns in die Beratung. Häufig geht es dabei um die Frage, ob für Minijobber auch die gleichen Rechte im Betrieb gelten. Erst kürzlich kam zum Beispiel eine Ratsuchende zu mir, weil sie nicht wusste, ob sie als Minijobberin auch einen Anspruch auf Urlaub hat. Ihr Arbeitgeber meinte, sie würde als Minijobberin nur für die Stunden bezahlt, die sie auch vor Ort ist und wenn sie nicht da sei, erhalte sie eben auch keinen Lohn und deshalb auch keinen bezahlten Urlaub. Das ist natürlich falsch, denn auch als Minijobber habe ich einen Urlaubsanspruch und auch Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Rein rechtlich gesehen sind Minijobs Teilzeitstellen und Teilzeitbeschäftigte haben grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten in ihrem Arbeitsverhältnis wie Vollzeitbeschäftigte. Das vergessen einige Arbeitgeber aber gern und selbst die meisten Minijobber wissen darüber wenig Bescheid. Wenn sie es dann wissen und zu uns in die Beratung kommen, unterstützen wir sie darin, diese Rechte gegenüber ihrem Arbeitgeber auch durchzusetzen. Aber die Befürchtungen sind oft groß, den Minijob im Konfliktfall zu verlieren. Dabei genießen auch Minijobber Kündigungsschutz – sie haben also im Streitfall gute Chancen, sich beim Arbeitsgericht durchzusetzen. Doch diesen Schritt gehen die meisten Minijobber nicht, um das Arbeitsverhältnis nicht weiter zu belasten."