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Die Lust am Kaufen wecken

28. Februar 2017

Text: Anette Melerski
Foto: Kay Michalak

Jo Isabella Bosse setzt Wollknäule ebenso effektvoll in Szene wie Backformen oder ein Abendkleid. Die 22-jährige Gestalterin für visuelles Marketing ist in der Galeria Kaufhof für die Dekoration zuständig



Beim morgendlichen Gang durch das Kaufhaus hat Jo Isabella Bosse ihre Augen überall. Sind die Schaufenster sauber, hängen die Deko-Bälle in der Sportabteilung  noch, sitzt an der Prinzessinnenfigur alles richtig? Bevor die ersten Kunden um 10 Uhr morgens durch die Tür treten, hat sie schon mit dem Fensterputzer gesprochen,  Krönchen gerichtet und die Aufgaben des Tages im sechsköpfigen Team verteilt. Dass die Kombination aus Kreativität und Kommunikation genau ihr Ding ist, zeigte sich  schon direkt nach ihrer Abschlussprüfung: Von der Präsentation weg wird sie in die interne Filialassistenten-Ausbildung nach Leipzig abgeworben – das ist die  stellvertretende Abteilungsleitung: „Das ging husch, husch. Da saß ich als frische Gesellin und habe mich erst einmal zwölf Monate lang mit Beziehungsmanagement,  Mitarbeitergesprächen und Führungsstil beschäftigt.“

Obwohl alle Filialen ein einheitliches Deko-Konzept haben, ist es Bosses Anspruch, dass „ihr“ Bremer Haus nicht aussieht wie jedes andere: „Die Dekoration variiert im  Hinblick auf die Innenarchitektur. Da gibt es immer bestimmte Ecken oder Flächen, in denen sich Figuren besonders ansprechend inszenieren lassen.“ Die Lust am  Kaufen kann mit Stoffen und Licht, mit Folien oder Dekomaterial geweckt werden. Vom Grundkonzept ist die Bremer Deko dann zwar ähnlich wie die in Köln oder Berlin,  die Inszenierung an sich entspricht aber dem Haus.

Das Deko-Jahr hat, neben Weihnachten und diversen Rabatt- und Sale-Aktionen zwei Hauptkampagnen: Jeweils im Frühjahr und im Herbst wird die neueste Mode  präsentiert. Von der Hauptverwaltung kommen Konzept und Materialien, die bremische Deko setzt die Vorgaben mal mehr, mal weniger streng um. Die Inspiration, wie  eine Schaufensterfigur – die, darauf legt sie unbedingt Wert, nicht Puppe heißt – etwa einen Seidenschal trägt, holt sich Jo Isabella Bosse weniger im detaillierten  Konzept als vielmehr in internationalen Modezeitschriften: „Ich ziehe es vor, weiter über den Tellerrand zu schauen.“

Diesen Drang, die (Deko)-Welt zu entdecken, hatte sie schon während ihrer Ausbildung. Irgendwann, so war da ihr Plan, werde sie mal die Schaufenster bei Harrods oder Selfridges in London dekorieren. Bis dahin aber bleibt sie ihrem Haus noch erhalten, denn sie schätzt ihr Team, das Arbeitsklima und die relative Freiheit, mit der  sie ihre Abteilung führen kann. Bosse, neben der Auszubildenden die Jüngste in der Abteilung, scheut sich nicht, Verantwortung zu übernehmen: „Man lässt mich hier  genauso risikobereit und flexibel sein wie ich es für meine kreative Arbeit brauche. In diesem Job darf man nicht zu sehr an engen Plänen hängen.“ Mindestens zehnmal  am Tag wird Jo Isabella Bosse über Lautsprecher ausgerufen – und das obwohl sie viel Arbeitszeit mit dem Organisieren und Planen von Dekoflächen zubringt und eigentlich alles im Blick hat: „Es wird immer mal etwas umgeräumt oder anders gemacht als geplant. In der Abstimmung miteinander und den anderen Abteilungen,  müssen wir schnell und flexibel sein.“ Zum Dekorieren selbst kommt sie immer weniger. Dabei hängt gerade daran ihr Herz – auch wegen der Interaktion mit den Kunden: „Man wird oft angesprochen: Viele fragen nach dem Weg, Kinder wollen wissen, was man mit der großen Puppe macht und andere wieder geben einem  handwerkliche Tipps.“


Weitere Informationen:
 

Die Gestalterin für visuelles Marketing
Wem Kreativität, Lust an der Dekoration und handwerkliches Geschick im Blut liegen, der kann sich dual zur Gestalterin oder zum Gestalter für visuelles Marketing ausbilden lassen. Rechtlich ist zwar keine bestimmte Vorbildung vorgegeben, Betriebe stellen aber überwiegend Abiturienten ein. Nach drei Ausbildungsjahren und einer IHK-Prüfung gibt es die Möglichkeit, in Kauf- und Möbelhäusern, in Werbe- und Eventagenturen, für Messen oder auch selbstständig zu arbeiten.
www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet