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Bundesweit erster Tarifvertrag für Altenpflege-Azubis

12. Mai 2015
von Carola Bury (Referentin für Gesundheitspolitik)

›Junge Menschen bringt man nicht mit der Aussicht auf einen Mindestlohn in die Pflege, sondern mit dem Versprechen auf gute und faire Entlohnung schon in der Ausbildung‹ – so kommentiert Uwe Schmid von ver.di den bundesweit ersten Tarifvertrag für Auszubildende in der Altenpflege in Niedersachsen und Bremen.



In Bremen gilt er bislang aber nur für die rund 234 Auszubildenden der ›Tarifgemeinschaft Pflege Bremen‹. Ihr gehören 15 Pflegeanbieter aus Bremen und Bremerhaven an, unter anderem Pflegeeinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, des Caritasverbandes, des Deutschen Roten Kreuzes, der Bremer Schwesternschaft vom Roten Kreuz, der Diakonie sowie des Paritätischen. Die Bremer Heimstiftung schließt sich den Regelungen über den kommunalen Arbeitgeberverband an.

Vereinbart wurden einheitliche und höhere Vergütungen, verbindliche Arbeitszeiten und eine neue Urlaubsregelung. ›Mit diesem Tarifvertrag verbessern wir die  Ausbildungsbedingungen für den Pflegenachwuchs. Die Ausbildungsvergütungen steigen durchschnittlich um 20 Prozent‹, sagt Gewerkschaftssekretär Uwe Schmid, der zusammen mit seinem Kollegen David Matrai aus Hannover den Tarifvertrag verhandelt hat. ›Bislang wird der harte Wettbewerb unter den Pflegeanbietern auf dem Rücken der Auszubildenden und der Beschäftigten ausgetragen‹, so Uwe Schmid. ›Unser Ziel ist, diesen Tarifvertrag für die Ausbildung im Land Bremen für allgemein verbindlich erklären zu lassen.‹ Das würde dazu führen, dass auch Arbeitgeber, die nicht Mitglied des tarifabschließenden Arbeitgeberverbandes sind, sich an den Tarif halten müssen.

Auch die in der Tarifgemeinschaft zusammengeschlossenen Arbeitgeber sehen einen Vorteil in dem abgeschlossenen Tarifvertrag: ›Wir hoffen, dass die Altenpflegeausbildung dadurch attraktiver wird und die Altenpflege damit Anschluss an die Standards der Krankenpflege gewinnt‹, so Vorstandsmitglied Martin Böckmann, der die Tarifgemeinschaft Pflege auf Arbeitgeberseite mit vertritt. Auch sie wollen die Allgemeinverbindlichkeit, damit ihnen keine Nachteile entstehen, wenn sie Tariflohn zahlen. Und sie hoffen, dass weitere Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft beitreten.

Der Tarifvertrag für die Auszubildenden soll der erste Schritt sein. Gewerkschaft und Tarifgemeinschaft verhandeln aktuell über ein Tarifwerk für die Regelung der Entgelte und wesentlicher Arbeitsbedingungen (Zuschläge, Urlaub, Jahressonderzahlung) für die Beschäftigten in der ambulanten und stationären Pflege in Bremen. Auch  hier ist Ziel, durch Allgemeinverbindlichkeit einheitliche Bedingungen zu schaffen, damit der Wettbewerb über die Qualität und nicht zulasten der Arbeitskräfte  stattfindet. Doch einen Tarifvertrag bekommt man ›nicht geschenkt‹, er wird nur über eine starke Gewerkschaft mit vielen Mitgliedern erreicht werden können.

›Eine gute Ausbildung beginnt mit einer tarifgerechten Vergütung und Tarifverträge sind ein erster Schritt gegen Lohndumping‹, so schätzt auch Ingo Schierenbeck,  Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, den Abschluss ein. Sein Fazit: ›Die Sozialpartner haben hier einen ersten Meilenstein erreicht. Nur auf Basis eines Tarifvertrags wird auch eine volle Refinanzierung der Ausbildungskosten durch die Kostenträger möglich sein. Wir hoffen zudem, dass das Land Bremen die  Allgemeinverbindlichkeit erklärt und damit den Prozess unterstützt.‹


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Lesen Sie dazu auch das Interview mit Gerd Dielmann von ver.di, mit dem Sie auf unserer Veranstaltung "Pflegekräfte für morgen.
Zur Ausbildungsreform in den Pflegeberufen
" am 21. Mai diskutieren können.