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Kippen, Chips und Bier

Text: Anette Melerski
Foto: Kay Michalak

Kinder, die sich Schokoriegel erquengeln, Fußballfans in grün-weiß, Junge und Alte: Sie alle stehen im Laufe eines Tages an Nadine Fasels Kasse. Die 21-jährige Kauffrau  im Einzelhandel arbeitet im Rewe-Markt vor dem Steintor.



Um zu wissen, dass Werder spielt oder Wochenende ist, braucht Nadine Fasel keinen Kalender. Ihr reicht ein Blick auf das Kassenband: Mehr als an anderen Tagen  liegen dann dort Zigaretten, Chips und Bier. Wenn sie sich den idealen Kunden – oder natürlich die ideale Kundin – schnitzen müsste, hätte sie nicht viel zu tun: „Die  angenehmen Begegnungen überwiegen hier – Menschen, die höflich grüßen, „Bitte“ und „Danke“ sagen und auch mal ein Schwätzchen halten.“

Schon während ihrer  Schulzeit jobbte sie im Supermarkt und rutschte so nach dem Abitur in die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Die Arbeit zwischen Mopros – Molkereiprodukten – und  Äpfeln, Waschpulver und einkaufenden Bremern hatte ihr einfach Spaß gemacht.

Mit ihrer Ausbildung im Zuge des internen Abiturientenprogramms war sie nach 18   onaten durch. Im Moment macht sie Stufe zwei: die Weiterbildung zur Handelsfachwirtin, deren Kosten ihr Arbeitgeber trägt. Bis zu ihrer Prüfung Ende 2017 lernt Nadine  asel in Seminaren, was sie für eine spätere Führungsposition im Unternehmen einmal brauchen wird. Rechnungswesen wird dort ebenso vermittelt wie Wissen zu  Flialverwaltung, Arbeitszeitmanagement und Mitarbeiterführung. Ihr Ziel, nämlich selbst einmal einen Markt zu leiten, und den Weg dahin sieht sie ebenso klar wie  selbstkritisch: „Längerfristig möchte ich schon „Chefin“ sein. An meinem Durchsetzungsvermögen muss ich allerdings noch arbeiten. Das sehe ich aber ganz entspannt,  ich bin ja noch jung.“

Jung ist auch der Morgen, wenn sie sich um Annahme, Einlisten und Verräumen der Waren kümmert. Ihre Tage beginnen entweder um sechs oder  um zehn Uhr, lieber ist ihr die frühe Schicht: „Ich war immer Langschläferin – das ist jetzt anders. Von den Stunden her ist es Jacke wie Hose, ich habe aber so mehr  om Tag. So komme ich auch besser zum Bearbeiten der Aufgaben, die ich wöchentlich meinen Tutoren senden muss.“ Weil es unter ihren Kolleginnen und Kollegen auch einige gibt, die gerne die späteren Schichten übernehmen, kommen sie sich mit ihren Wünschen nicht so sehr in die Quere. Das gilt auch für die Absprachen darüber, wer etwa die Waren auszeichnet, ins Leergut geht oder an der Kasse sitzt: „Niemand muss volle acht Stunden kassieren.“

Nadine Fasel schätzt das Arbeiten im Team:  „Als Einzelkämpferin käme man nicht weit. Man muss Lust auf Menschen haben – das gilt für den Umgang miteinander wie auch mit der Kundschaft.“ Wenn sie gefragt  wird, welcher Wein zu welchem Essen passt oder ältere Damen sich vertrauensvoll das Kleingeld aus dem Portemonnaie zählen lassen, mag sie ihren Job besonders.  Und ihr gefällt die Kombination aus körperlicher Arbeit und Köpfchen. Bestellen müsse man zum Beispiel mit Weitblick und Bedacht: „Das gilt natürlich besonders für  Obst und Gemüse. Wir wollen, dass so wenig wie möglich im Müll landet.“ Dass die Arbeit auch anstrengend sein kann, mag sie gar nicht verhehlen: „Wenn es richtig voll  ist, muss ich mich schon konzentrieren und Ruhe bewahren. Alles andere bringt nichts – würde ich mich über jeden runtergefallenen Joghurt aufregen, bliebe ich  nicht lange in diesem Job.“ 

 



Die Einzelhandelskauffrau
Üblicherweise dauert die Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel drei Jahre. Die verkürzte, duale Variante des internen Abiturientenprogramms beginnt mit einer 18-monatigen Einzelhandelsausbildung. Im Anschluss daran folgt 22 Monate lang die Weiterbildung zur Handelsfachwirtin. An deren Ende steht die Prüfung vor der  Industrieund Handelskammer und bei besonderer Eignung mitunter auch ein Posten als Marktmanagerin oder selbstständige Kauffrau.