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Leiharbeit boomt weiter

6. August 2015
von Jörg Muscheid (Referent für Wirtschaftspolitik)

Die alles in allem positive Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, die bereits im Vorjahr zu verzeichnen war, gilt auch für 2015; ungeachtet der nach wie vor ungelösten Probleme in Europa. Wie die Befragung von Betriebsräten im Land Bremen zeigt, wird insgesamt die aktuelle Situation als stabil eingeschätzt; die Skepsis der Betriebsräte hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven hat aber wieder zugenommen.

38 Prozent der Betriebsräte bezeichnen die aktuelle wirtschaftliche Lage ihres Betriebes als ›gut‹, rund 42 Prozent zumindest als ›befriedigend‹. 20 Prozent der Betriebsräte bewerten die derzeitige Geschäftslage ihres Betriebes als ›eher schlecht‹ oder ›schlecht‹. Die überwiegende Mehrheit der Betriebsräte schätzt, dass sich die wirtschaftliche Lage ihres Betriebes ›etwa gleichbleibend‹ entwickelt hat. Die Zahl der negativen Stimmen hat im Vergleich zum Vorjahr aber zugenommen: Rund 17  Prozent der Betriebsräte befürchten eine weitere Eintrübung der Geschäftslage im Laufe des Jahres 2015. Der Blick auf die Branchen zeigt einen deutlichen Rückgang positiver Stimmen vor allem in den meisten Dienstleistungsbranchen.

Alles in allem ist auch die Beschäftigungslage stabil. So bewerten die befragten Bremer Betriebe das vergangene Jahr positiv: 50 Prozent sahen ›keine wesentliche Veränderung‹ im Vorjahresvergleich. In 28 Prozent der Betriebe nahm der Umfang der Beschäftigung zu. 22 Prozent der Betriebsräte konstatierten für ihre Betriebe eine ›Abnahme‹ der Beschäftigtenzahlen. 2015 wird sich wenig ändern: Weit über die Hälfte der Betriebsräte (61,4 Prozent) geht für das gesamte Jahr von einem  ›gleichbleibenden Beschäftigungsumfang‹ in ihren Betrieben aus, 18 Prozent sogar von einer ›Zunahme‹. Rund 21 Prozent der Betriebsräte befürchten hingegen einen ›Beschäftigungsabbau‹ in ihrem Betrieb noch in diesem Jahr.

Leiharbeit gängige Praxis
Eines der Hauptprobleme ist nach wie vor der Einsatz von Leiharbeitnehmern. Sie ist in vielen Betrieben mittlerweile gängige Praxis. So nahm die Zahl der Betriebe, in denen Leiharbeitnehmer eingesetzt werden, wie in den vergangenen Jahren wieder leicht zu: In rund 58 Prozent aller Betriebe sind Leiharbeitnehmer im Einsatz. Auch  bei der Einsatzdauer von Leiharbeitnehmern ist der Trend deutlich: 2010 dauerte der Einsatz der Leiharbeitnehmer nur in vier Prozent aller Unternehmen länger als ein Jahr, 2014 war es schon jeder vierte Betrieb (28 Prozent); aktuell sind es 42 Prozent aller Unternehmen. Die Intention des Gesetzgebers, wonach Leiharbeit stets nur ›vorübergehend‹ zum Einsatz kommen soll, spiegelt sich in der Realität nicht wider. Die kurzfristige Aushilfe bei Auftragsspitzen ist das vorrangige Motiv für den Einsatz  der Leiharbeitnehmer. Daneben sehen die Betriebsräte vor allem die Entwicklung, dass Leiharbeit die Stammbelegschaft ergänzt. Eine Zweiklassengesellschaft von Arbeitnehmern droht zu entstehen.

Daneben ist ein zweiter Trend zu erkennen, der Boom der Werkverträge. Aufgrund einer ganzen Reihe von Regulierungsmaßnahmen ist Leiharbeit in den vergangenen Jahren erschwert worden. Jetzt erweisen sich Werkverträge, bei denen durch ›Subunternehmer‹ betriebliche Aufgaben in eigener Verantwortung erledigt werden, als das ›Nachfolgemodell‹ der Leiharbeit: War es im vergangenen Jahr ›lediglich‹ jedes dritte Unternehmen (33 Prozent), in dem Werkverträge regelmäßig zum Einsatz kommen, sind es 2015 schon 46 Prozent aller Unternehmen, in denen Werkverträge genutzt werden.



Die Betriebsrätebefragung der Arbeitnehmerkammer

Im Februar 2015 wurden 512 Betriebsräte in Bremen und Bremerhaven angeschrieben; 151 haben geantwortet (Rücklaufquote von 29,5 Prozent). Die befragten Unternehmen stammen aus allen Wirtschaftsbereichen, von der Industrie und dem Baugewerbe über den Finanzsektor bis hin zu den ›sonstigen‹ Dienstleistungen. Die Größe der Befragung und die Zusammensetzung nach Betriebsgrößen und Branchen gewährleisten ein hohes Maß an Aussagekraft. Der Schwerpunkt war in diesem Jahr die Arbeitnehmermobilität.


Weitere Informationen:
 

Statistischer Jahresbericht 2015
Wie haben sich Arbeitsmarkt und Beschäftigung im Land Bremen entwickelt? In welchen Branchen wird am besten verdient? Fragen zu den wesentlichen Kernbereichen der Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialstatistik beantwortet der Statistische Jahresbericht der Arbeitnehmerkammer. Neben einem Rückblick auf das Jahr 2014 wird erstmalig der Bereich ›Wohnen und Miete‹ statistisch aufbereitet. Download hier. Mitglieder erhalten den Bericht kostenlos in unseren Geschäftsstellen.