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Sparen bei der Beratung

6. August 2015
von Janet Binder


Gute Nachricht für Beschäftige in Bremen und Bremerhaven: Als Mitglied der Arbeitnehmerkammer zahlen sie seit März für bestimmte Beratungen bei der Verbraucherzentrale nur noch die Hälfte. Das Angebot kommt gut an.



Wer sich als Beschäftigter zu arbeitnehmernahen Themen wie Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeitsrente bei der Verbraucherzentrale beraten lässt, spart neuerdings kräftig Geld. Denn die Arbeitnehmerkammer übernimmt die Hälfte der Kosten. Eine einstündige Beratung kostet für Kammermitglieder so nur noch 45 Euro statt 90 Euro. Das vorläufige Fazit: ›Es ist erkennbar, dass das Angebot gut ankommt‹, sagt die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Irmgard Czarnecki. Von Mitte März bis Ende Juni ließen sich 120 Kammermitglieder beraten.

Allerdings kennen erst wenige Beschäftigte diese Möglichkeit. ›Viele sind freudig überrascht, wenn sie im Beratungsgespräch von dem Angebot erfahren‹, sagt Czarnecki. Die meisten Beschäftigten informieren sich über die private Altersvorsorge. ›Das finde ich gut und richtig‹, betont sie. Das sieht auch der Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, Ingo Schierenbeck, so. Angesichts der Leistungskürzungen sei es für Beschäftigte wichtiger denn je, sich privat ausreichend für das Alter abzusichern. Die Verbraucherzentrale könne helfen, die Angebote kompetent zu bewerten. In den Beratungen tauchen viele Fragen auf. Wir geben Ihnen einen Überblick:

Was kann ich bei der privaten Altersvorsorge falsch machen?
›Viel‹, sagt Berater Thomas Mai. ›Und sei es, dass man sich nicht kümmert.‹ Vor Kurzem kam eine Frau in die Beratung und präsentierte ihren förderberechtigten Riester-Vertrag, den sie als Arbeitnehmerin abgeschlossen hatte. Da Familienmitglieder in so einem Fall – selbst wenn sie nicht angestellt sind – auch förderberechtigt sind, hatte ihr selbstständig arbeitender Mann ebenfalls einen abgeschlossen. Er entschied sich für die damals mögliche Variante, keinen eigenen Beitrag zu zahlen und trotzdem die Zulagen einzustreichen. 2012 aber gab es eine Gesetzesänderung: Ehepartner müssen seitdem einen Sockelbetrag von 60 Euro pro Jahr als Eigenleistung zahlen, um zulagenberechtigt zu sein. ›Das hatte der Ehemann nicht getan, weil er davon nichts mitbekommen hatte.‹ Die Zulagen hatte der Staat zunächst weiter gezahlt – sie werden dem Ehemann nun rückwirkend wieder gestrichen. Auch der Frau riet er, ihren Riester-Vertrag anzupassen. Denn um die volle Riester-Förderung zu erhalten, muss sie jährlich mindestens vier Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens einzahlen. Nachdem die Frau den Job gewechselt hatte und deutlich mehr verdiente, war das aber nicht mehr der Fall.

Wann sollte ich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?
›Je früher desto besser‹, sagt Beraterin Gabriele Zeugner. Konkret heißt das: Bei Beendigung der ersten Ausbildung. Studenten können sich oft schon während des Hauptstudiums auf den angestrebten Beruf hin versichern. Voraussetzung für den Abschluss eines Vertrags ist eine Gesundheitsprüfung. ›Je jünger jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie gesund ist und somit einen akzeptablen Vertrag abschließen kann.‹ In der Beratung erlebt Gabriele Zeugner allerdings häufig, wie Berufseinsteiger vor den relativ hohen Kosten zurückschrecken. Ihnen rät sie, einen Einsteigertarif zu wählen, der am Anfang günstig ist und später teurer wird. ›Insgesamt kostet so ein Vertrag oft mehr, aber er ist dem Lebensrhythmus und dem potenziellen Verdienst angepasst.‹ Und bevor ein Berufsanfänger gar keine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließe, sollte er lieber den Einsteigertarif wählen. Denn: ›Für die allermeisten Menschen ist die  Berufsunfähigkeitsversicherung die wichtigste Versicherung überhaupt‹, betont die Beraterin. Der Verlust der Arbeitskraft könne einen Menschen in eine wirtschaftlich existenziell bedrohliche Lage bringen.

Ist eine Unfallversicherung für mich sinnvoll?
›Wenn man sich zwischen einer Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden muss, sollte man die Berufsunfähigkeitsversicherung wählen‹, so Gabriele Zeugner. Denn diese decke ein viel umfassenderes Risiko ab. ›Der überwiegende Teil der Beschäftigten, der aus dem Berufsleben aussteigen muss, muss dies wegen einer Krankheit tun. Da nützt einem eine Unfallversicherung nichts.‹ Wer sich aber leisten könne, beide Verträge abzuschließen, dem rät sie dazu. ›Die Berufsunfähigkeitsversicherung sorgt im Bedarfsfall für eine monatliche Rente. Nach einem Unfall braucht man aber manchmal zusätzliches Kapital etwa für Hilfsmittel, die die Krankenkasse nicht bezahlt.‹ Jüngst kam zu ihr ein Arbeitnehmer, der für den Fall vorsorgen wollte. Er hatte sich Gedanken gemacht, wie er Umbauarbeiten an  seinem Eigenheim finanzieren würde, sollte er wegen eines Unfalls Behinderungen zurückbehalten. Er wollte dann zusätzlich zum Einkommen aus der  Berufsunfähigkeitsrente Geldmittel zur Verfügung haben. Gabriele Zeugner riet ihm, über den Abschluss einer Unfallversicherung mit ausreichender Invaliditätssumme nachzudenken.

Ich möchte für den Pflegefall vorsorgen und eine Pflegetagegeldversicherung abschließen. Ich würde gerne Geld sparen und die staatliche geförderte Pflege-Zusatzversicherung – den Pflege- Bahr – wählen. Ist das sinnvoll?
›Meistens eher nicht‹, sagt Beraterin Zeugner. Wenn der Beschäftigte durch die Gesundheitsprüfung kommt, rät sie zu einem ungeförderten Produkt. Denn beim Pflege-Bahr bekommt ein Versicherter zwar fünf Euro Förderung, wenn er selber zehn Euro investiert. Aber im Bedarfsfall sind die Bedingungen schlecht: Die Leistungen dürfen nicht höher als die der gesetzlichen Pflegeversicherung sein. Auch könnten die Beiträge zukünftig stark steigen, da jeder ohne Gesundheitsprüfung die  Versicherung abschließen kann. Zudem existiert keine Beitragsbefreiung im Pflegefall. ›Wenn es ganz schlecht läuft, muss man im Pflegefall mehr Beitrag zahlen als man  im selben Moment an Leistung bekommt‹, sagt Zeugner. Ein ungefördertes Produkt ist zwar teurer, kann aber in der gewünschten Höhe und mit der Möglichkeit zur  Beitragsbefreiung im Pflegefall abgeschlossen werden. Vor Kurzem kam ein Ehepaar zu ihr, beide Mitte 40, das sich für den Pflege-Bahr interessierte. Das Paar hat  zwei erwachsene Kinder, die Aussicht auf gut bezahlte Jobs haben. Da die Eltern keine hohe Rente erwarten, wollten sie für den Fall der eigenen Pflegebedürftigkeit eine  zusätzliche Pflegetagegeldversicherung abschließen. ›Beide möchten im Alter nicht von der Sozialhilfe abhängig sein‹, sagt Zeugner. ›Und in keinem Fall wollen sie, dass ihre Kinder Unterhalt leisten müssen.‹ Da die Eltern noch gesund sind und finanziell nicht auf die staatliche Förderung angewiesen sind, riet sie ihnen zu einem ungeförderten Produkt.


Zahlen, Daten, Fakten:
 

Für diese Beratungen zahlen Mitglieder der Arbeitnehmerkammer Bremen bei der Verbraucherzentrale in Bremen und Bremerhaven nur die Hälfte:

- Zusätzliche Rentenversicherung
- Riester-Verträge
- Zusätzliche Krankenversicherung
- Private Krankenversicherung
- Zusätzliche Pflegeversicherung
- Zusätzliche Unfallversicherung
- Zusätzliche Erwerbsunfähigkeitsrente
- Zusätzliche Berufsunfähigkeitsrente
- Berufsrechtsschutzversicherung

Weitere Informationen:
 

Beratung bei der Verbraucherzentrale / Terminvereinbarung
Für die ermäßigten Beratungskosten füllen Sie einfach bei dem Termin in der Verbraucherzentrale ein Formular mit Ihren Daten aus.

Beratungszentrum Bremen:
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Telefon 0421·160777
www.verbraucherzentrale-bremen.de/beratungszentrum-bremen

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Telefon 0471·26194
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