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Sind Zeugnisse immer auf Geschäftspapier zu verfassen?

 

Ja, sofern die Verwendung von Geschäftspapier im Betrieb üblich ist (BAG, Urteil v. 03.03.1993 - 5 AZR 182/92).

 

 

Wer unterschreibt mein Zeugnis?

 

Zeugnisse werden in der Regel durch die Geschäftsführung, Personalleitung oder den Fachvorgesetzten unterschrieben. Bei kleineren Betrieben unterschreibt häufig nur die Geschäftsführung und das ist so in Ordnung. Betriebsfremde Personen dürfen Zeugnisse nicht unterschreiben (LAG Hamm, Urteil v. 17.06.1999 - 4 Sa 2587/98).

 

 

Erhalte ich automatisch ein qualifiziertes Zeugnis?

 

Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, von sich aus qualifizierte Zeugnisse auszustellen. Nur wenn Sie als Arbeitnehmerin oder als Arbeitnehmer ein qualifiziertes Zeugnis verlangen, muss Ihr Betrieb Ihnen auch eines ausstellen (LAG Hamm, Beschluss v. 30.01.2002 - 4 Ta 286/01).

 

 

Wann muss ein Abschlusszeugnis ausgestellt werden?

 

Ein Zeugnis ist vom Arbeitgeber sofort bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses auszustellen und es sollte am letzten Tag der Beschäftigung beziehungswiese kurze Zeit später (eher Tage als Wochen) vorliegen (BAG, Urteil v. 27.02.1987 - 5 AZR 710/85).

 

 

Kann ich mir ein Zeugnis neu ausstellen lassen, wenn ich es zerknickt oder verloren habe?

 

Es kommt gelegentlich vor, dass die Neuausstellung eines inhaltlich richtigen und nicht beanstandeten Zeugnisses verlangt wird, weil es beschädigt wurde. In diesem Fall ist der Arbeitgeber aufgrund seiner nachvertraglichen Fürsorgepflicht grundsätzlich verpflichtet, auf Kosten der/des ehemaligen Beschäftigten ein neues Zeugnis zu erteilen (vgl. LAG Hamm, Urteil v. 17.12.1998, 4 Sa 1337/98, DB 1999, 1610).

Gleiches gilt für den Fall, wenn Sie Ihr Zeugnis nicht nur beschädigt, sondern verloren haben.

 

 

Reicht es auch, wenn ich ein Zeugnis per E-Mail erhalte?

 

Zeugnisse sind Dokumente und müssen mindestens eine Origial-Unterschrift tragen. Ein per E-Mail (elektronischer Post) verschicktes Zeugnis entspricht nicht diesen Anforderungen. (LAG Hamm, Urteil v. 27.02.1997 - 4 Sa 1691/96)

 

 

Ist mein Arbeitgeber verpflichtet, mir das Zeugnis zu schicken oder muss ich es selbst abholen?

 

Zeugnisse unterliegen der Holschuld, deshalb ist der Arbeitgeber nicht zum Zusenden verpflichtet.

Eine Ausnahme kann dann gemacht werden, wenn etwa wenn die Abholung für den Arbeitnehmer mit unverhältnismäßig hohen Kosten oder besonderen Mühen verbunden ist. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn der/die Beschäftigte inzwischen an einen weit entfernten Ort wohnt. Daneben kann der Arbeitgeber ebenfalls dazu verpflichtet sein, das Zeugnis per Post zu senden, wenn ein Arbeitnehmer das Zeugnis rechtzeitig vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses verlangt hat, der Arbeitgeber aber das Zeugnis dennoch nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt hat (BAG, Urteil v. 08.03.1995 - 5 AZR 848/93)

 

 

Darf mir der Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis mit verschlüsselten Formulierungen ausstellen?

 

Nein, verschlüsselte Formulierungen oder auch „Codes" ("Er tat sein Möglichstes", "Er arbeitete gemäss seinen Fähigkeiten", "Sie gab ihr Bestes") sind rechtswidrig. Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu, wohlwollend und klar abgefasst sein und es muss vollständig sein. (LAG Hamm, Urteil v. 17.12.1998 - 4 Sa 630/98)

 

 

Wie oft darf ich ein Zwischenzeugnis verlangen?

 

Wenn Sie einen Anlass haben, jederzeit. Es ist jedoch rechtsmissbräuchlich, wenn Sie als Arbeitnehmer immer wieder zum Arbeitgeber gehen und eines verlangen, obwohl kein einsehbarer Grund vorliegt. Dann kann der Arbeitgeber die Ausstellung verweigern (BAG, Urteil v. 01.10.1998 - 6 AZR 176/97).

 

 

Ich wechsle innerhalb der Firma die Abteilung. Soll ich mir ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen?

 

Unbedingt, das ist eine gute Gelegenheit, Ihre Leistungen dokumentieren zu lassen. Sollten Sie sich dann mit Ihrem neuen Vorgesetzten nicht vertragen, können Sie bei einer Bewerbung das Zwischenzeugnis des vorherigen Vorgesetzten beilegen.

 

 

Mein Zeugnis ist nicht so gut ausgefallen. Kann ich es selbst ändern?

 

Nein, ein Arbeitszeugnis ist eine Urkunde. Sie würden damit also Urkundenfälschung betreiben.

 

 

In meinem Zeugnis findet sich die Formulierung "stets zur vollsten Zufriedenheit". Habe ich ein sehr gutes Zeugnis erhalten?

 

Die einzelne Formulierung ist sehr gut. Aber Achtung! Viele Faktoren bestimmen den Eindruck und die Note des Arbeitszeugnisses, nicht einzelne.

 

 

Ich habe ein Zwischenzeugnis verlangt. Ist das gleichzeitig die Basis für ein endgültiges Zeugnis?

 

Normalerweise ja. Das endgültige Zeugnis darf nicht wesentlich vom Zwischenzeugnis abweichen - es sei denn, Ihre Leistungen haben sich in der Zwischenzeit stark verändert (LAG Köln, Urteil v. 22.08.1997 - 11 Sa 235/97).