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Was sind Minijobs?

Von einem Minijob spricht man meistens, wenn eine auf Dauer angelegte Beschäftigung „geringfügig“, also mit regelmäßig maximal 450 Euro entlohnt wird. Die Anzahl der Arbeitstage und Arbeitsstunden spielt dabei keine Rolle. Wie viele Stunden Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer hierfür arbeiten müssen, kann zwischen Ihnen und dem Arbeitgeber grundsätzlich frei ausgehandelt werden. Etwaige Mindestlohnregelungen (Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung) und die Grenze der Sittenwidrigkeit müssen jedoch eingehalten werden. Es empfiehlt sich daher, bei Vertragsschluss auf einen angemessenen Stundenlohn und eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit zu achten.

Daneben gibt es Minijobs auch in Form von kurzfristigen Beschäftigungen, wobei dort eine Entgeltgrenze nicht besteht. Kurzfristig ist die Beschäftigung, wenn sie in einem Kalenderjahr auf drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage beschränkt ist.

 

 

Wie viel wird mir vom Bruttolohn abgezogen?

Minijobs können für Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer grundsätzlich vollständig sozialversicherungsfrei sein. Nur der Arbeitgeber zahlt Pauschalbeiträge zur Renten- und ggf. auch zur Krankenversicherung. Er ist nicht berechtigt, diese Beiträge von Ihrem Lohn abzuziehen. Daneben kann Lohnsteuer anfallen, die vom Lohn abgezogen werden kann, aber häufig vom Arbeitgeber übernommen wird. Lediglich der Mitgliedsbeitrag der Arbeitnehmerkammer Bremen in Höhe von maximal 0,68 Euro wird vom Lohn abgezogen. Für Sie ist der Verdienst daher in der Regel nahezu „brutto gleich netto“.

 

 

Bin ich kranken- und pflegeversichert?

Bei einem Minijob zahlen Sie als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer keine Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Das hat den Vorteil, dass Ihr Bruttogehalt aus dem Minijob nicht gemindert wird, hat aber den Nachteil, dass Sie keinen Versicherungsschutz genießen.

Um dennoch geschützt zu sein, sollten Sie daher entweder

  • eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung (über 450 Euro) haben oder

  • über Ihren Partner in der Familienversicherung sein oder

  • eine freiwillige Versicherung abschließen.

Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über Ihren Versicherungsschutz.




Bin ich rentenversichert?

Wenn Sie nach 2013 einen neuen Minijob angenommen haben, sind Sie grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Dies hat zur Folge, dass bei einem Bruttogehalt von 175 Euro bis 450 Euro 3,7 Prozent (Differenz zum gesetzlichen Beitragssatz zur Rentenversicherung von derzeit 18,7 Prozent) vom Lohn, also bis zu 16,65 Euro an die Rentenkasse abgeführt werden. Dadurch erwerben Sie vollwertige Leistungsansprüche aus der Rentenversicherung.

Achtung bei Gehältern unter 175 Euro: Der insgesamt zu zahlende Rentenversicherungsbeitrag bemisst sich auf Grundlage von einem Entgelt von mindestens 175 Euro. Er beträgt derzeit 32,73 Euro (175 Euro x 18,7%). Der Arbeitgeber zahlt aber immer nur 15 Prozent vom tatsächlichen Gehalt an Rentenversicherungsbeiträgen. Die Differenz muss der Arbeitnehmer tragen. Das heißt, je weniger Gehalt, desto höher die Beitragslast des Arbeitnehmers für die Rentenversicherung. Im Extremfall wäre der Beitragsbetrag für die Rentenversicherung höher als das Entgelt, dass der Arbeitnehmer ausbezahlt bekommt.

Als Minijobber haben Sie aber die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen, so dass nur der Arbeitgeber den Pauschalsatz von 15 Prozent zahlt. Den Wunsch müssen Sie schriftlich an den Arbeitgeber richten. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass Sie dann aus dem Minijob keine Ansprüche etwa auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und auf Erwerbsminderungsrente und geringere Anwartschaften auf die Altersrente erwerben.

 

 

Ich habe noch einen alten Vertrag. Was gilt bezüglich der Rentenversicherung für mich?

Wenn Ihr Minijob schon vor 2013 (bis 400 Euro) begründet wurde, bleibt es bezüglich der Rentenversicherung bei der alten gesetzlichen Regelung: Sie bleiben in diesem Beschäftigungsverhältnis rentenversicherungsfrei, können aber freiwillig auf die Versicherungsfreiheit verzichten und den Rentenversicherungsbeitrag aufstocken. Wenn Sie jedoch aufgrund von Verhandlungen mit Ihrem Arbeitgeber zukünftig mehr als 400 Euro (bis 450 Euro) verdienen, tritt automatisch die grundsätzliche Rentenversicherungspflicht ein mit der Möglichkeit, sich befreien zu lassen.

 

 

Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn ich meinen Minijob verliere?

Nein. Da keine Beiträge an die Arbeitslosenversicherung gezahlt werden, erwerben Sie aus dem Minijob leider keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

 

 

Wie hoch sind die Steuern?

Es kommt darauf an, welches Verfahren Ihr Arbeitgeber für die Lohnsteuer wählt:

  • ELStAM-Verfahren (früher: Lohnsteuerkarte), d.h. Besteuerung nach Ihren individuellen Merkmalen unter Berücksichtigung von Steuerklasse, Kinder- und sonstigen Freibeträgen, Kirchensteuerpflicht etc.

oder

  • Pauschal-Verfahren, d.h. der Arbeitgeber zieht eine pauschale Steuer in Höhe von 2 Prozent (maximal 9 Euro) von Ihrem Gehalt ab und leitet sie weiter. In der Praxis übernimmt der Arbeitgeber häufig die Steuer für den Minijobber. Ein Anspruch hierauf besteht aber nur, sofern eine entsprechende Vereinbarung besteht.

Da eine Besteuerung bei den Lohnsteuerklassen V und VI zu Abzügen führt, sollten Sie mit dem Arbeitgeber sprechen und um pauschale Versteuerung bitten. Bei den Lohnsteuerklassen I bis IV hingegen wirkt sich die Besteuerung im ELStAM-Verfahren nicht nachteilig aus, da in der Regel keine Steuern anfallen.

 

 

Darf ich neben einer Hauptbeschäftigung einen Minijob haben?

Sie dürfen grundsätzlich – in Absprache mit Ihrem Arbeitgeber – so viele Beschäftigungen parallel ausüben, wie Sie möchten. Die Frage ist vielmehr, ob Ihr Minijob im Sinne des Gesetzes ein (sozialversicherungsfreier) Minijob bleibt.

Wenn Sie neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nur einen einzigen Minijob haben, kann der Minijob sozialversicherungsfrei bleiben. Ein Minijob neben der Hauptbeschäftigung ist möglich.

 

 

Was wenn ich mehrere Minijobs habe?

 

Wenn Sie mehrere Minijobs ausüben und keine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung haben, werden diese zusammengerechnet. Sollten Sie in der Summe mehr als 450 Euro brutto verdienen, wird jede einzelne Beschäftigung sozialversicherungspflichtig. Wenn die Grenze nicht überschritten wird, können alle Beschäftigungen als echte Minijobs sozialversicherungsfrei bleiben.

Wenn Sie neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen haben, kann der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob anrechnungsfrei bleiben. Auf das Arbeitsentgelt aus den übrigen geringfügigen Beschäftigungen müssen Sie die vollen Beiträge zur Sozialversicherung (mit Ausnahme derer zur Arbeitslosenversicherung) zahlen.

Um die Frage der Sozialversicherung zu klären, darf der Arbeitgeber Sie nach anderweitigen Beschäftigungsverhältnissen fragen.

 

 

Welche Rechte habe ich im Arbeitsverhältnis?

 

Viele glauben, Minijobber hätten im Arbeitsleben weniger Rechte. Dies trifft aber nicht zu. Ein Minijob ist eine reguläre Teilzeitstelle. Das Gesetz schützt Teilzeitbeschäftigte besonders, indem es verbietet, Teilzeitarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer ohne sachlichen Grund schlechter als Vollzeitkräfte zu behandeln. Sie haben demnach im Arbeitsverhältnis als Minijobberin oder Minijobber grundsätzlich die gleichen Rechte und Pflichten wie jede oder jeder andere Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigte auch. Sie haben etwa Anspruch auf bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und an Feiertagen. Auch hier sind die Regelungen über Kündigungsschutz und Kündigungsfristen zu beachten.