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›Über mein Gehalt darf ich nicht sprechen‹

18. Februar 2016
von Hanna Mollenhauer (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit)

Das stimmt so nicht. Grundsätzlich dürfen Sie über Ihre Bezahlung sprechen. In vielen Unternehmen wird das Gehalt individuell zwischen Arbeitgeber und Bewerber verhandelt. Deshalb werden in Betrieben oft unterschiedliche Gehälter für vergleichbare Tätigkeiten gezahlt. Arbeitgeber wollen dann in der Regel nicht, dass sich die Mitarbeiter über ihre Gehälter austauschen. Denn wer mag schon motiviert arbeiten, wenn er weiß, dass der Kollege mehr verdient? Viele Arbeitgeber schließen deshalb in den Arbeitsvertrag eine Verschwiegenheitsklausel mit ein. Aber kann ein Arbeitnehmer dadurch verpflichtet werden, über sein Gehalt Stillschweigen zu bewahren?

Auch hier gilt: In der Regel nicht. Ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse des Arbeitgebers besteht nur dann, wenn durch die Bekanntgabe oder Veröffentlichung von Gehaltsdaten die Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitgebers betroffen ist oder die Offenbarung des Gehalts gegenüber den Arbeitskollegen tatsächlich den Betriebsfrieden stört. Falls Sie zum Beispiel eine hoch bezahlte Führungskraft sind, fällt Ihr Gehalt eventuell unter das Geschäftsgeheimnis und Sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wenn Ihr Gehalt Gegenstand einer betrieblichen Kalkulation ist, von der ein Wettbewerber nichts wissen sollte, sind Sie an diese Klausel gebunden.

Außerdem gilt bei vorformulierten Arbeitsverträgen, dass Arbeitnehmer durch solche Klauseln nicht unangemessen benachteiligt werden dürfen. Und hier kommt der Grundsatz der Gleichbehandlung zum Tragen. Weil ein Arbeitnehmer nur im Gespräch mit Kollegen herausfinden kann, ob es ungerechtfertigte Unterschiede in der Bezahlung gibt und ob er einen Anspruch auf eine bessere Entlohnung hat, sind solche Klauseln oft unwirksam.


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