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Außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung

5. Januar 2016
von Hella Weise (Beraterin Steuerrecht in Bremen)

Merit Pauli* kam mit mehreren Fragen zur Steuererklärung zu mir in die Beratung. Besonders der Punkt ›Außergewöhnliche Belastungen‹ überforderte sie.

An privaten Ausgaben will das Finanzamt in der Regel nicht beteiligt werden, es gibt aber Kosten, die man als außergewöhnliche Belastungen ansetzen kann. Um außergewöhnliche Belastungen geltend machen zu können, muss man zwangsläufig höhere Kosten gehabt haben, als die überwiegende Zahl der Steuerzahler in gleichen Einkommens- und Vermögensverhältnissen mit gleichem Familienstand. Zwangsläufig heißt, dass man die notwendigen Aufwendungen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen hatte.** Zu den abziehbaren Kosten zählen etwa Krankheits- und Pflegekosten, Bestattungskosten, Wiederbeschaffungskosten etwa nach Brand- oder Hochwasserschäden und Unterhaltszahlungen. Von den Einkünften wird nur der Betrag abgezogen, der die zumutbare Belastung übersteigt. Diese Belastungsgrenze wird nach einem Prozentsatz der Gesamteinkünfte errechnet.




Die Steuerpflichtige Merit Pauli hatte ihre Mutter im eigenen Haushalt gepflegt. Mit der Pflegestufe 3 war die Voraussetzung für den Freibetrag (hier als Pauschbetrag) – Hilflosigkeit – erfüllt. Der Pauschbetrag von 924 Euro im Jahr wird grundsätzlich gewährt. Im Laufe des Jahres verstarb die Mutter von Merit Pauli. Da kein Erbe vorhanden war, können die Bestattungskosten als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Hierzu zählen Kosten für das Grab, die Todesanzeige, Blumen und den Sarg. Nicht geltend gemacht werden können Kosten für die Bewirtung der Trauergäste und Reisekosten. Zusammen mit den verordneten Medikamenten und Zahnarztkosten, die für die Steuerpflichtige angefallen waren, kann Merit Pauli diese geltend machen, wenn die zumutbare Eigenbelastung überschritten ist. Die Gesamteinkünfte von Merit Pauli und ihrem Mann betragen 45.000 Euro. Sie haben ein Kind. Die zumutbare Belastungsgrenze liegt hier bei drei Prozent, also bei 1.350 Euro. Bei Krankheitskosten von 2.500 Euro und Kosten rund um die Bestattung von 3.000 Euro werden 4.150 Euro als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt.

Außerdem lebt der studierende Sohn im Haushalt der Eheleute Pauli und ist im Laufe des Jahres 25 Jahre alt geworden. Kindergeld gibt es nur bis zum 25. Geburtstag,  somit ist der Sohn eine unterhaltsberechtigte Person, für die im Monat 706 Euro als Unterhalt geltend gemacht werden können. Dazu kommen Kranken- und  Pflegeversicherungsbeiträge, da auch eine Familienversicherung ab dem 25. Lebensjahr nicht mehr greift. Das Kind darf allerdings keine eigenen Einkünfte oder Bezüge (etwa BAföG) über 624 Euro im Jahr haben, da sonst eine Anrechnung des Einkommens erfolgt. Übrigens: Im Vordruck der Steuererklärung müssen die außergewöhnlichen Belastungen auf Seite 3 in den Zeilen 61 bis 70 eingetragen werden.

*Name von der Redaktion geändert
** § 33 Einkommenssteuergesetz (EStG)


Weitere Informationen:
 

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