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„Eltern haften für ihre Kinder“

24. März 2015
von Philipp Flunkert (Rechtsberater in Bremen-Nord)

 


Das stimmt  nur bedingt. Ob Eltern für ihre minderjährigen Kinder haften, hängt im Wesentlichen davon ab, ob sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Wann und ob man seine Aufsichtspflicht verletzt hat, ist abhängig vom Alter des Kindes und der jeweiligen Situation.

So verletzt beispielsweise seine Aufsichtspflicht, wer sein vierjähriges Kind in seinem haltenden Pkw an einer Bundesstraße zurücklässt, auch wenn er nur kurz aussteigt. Keine Verletzung der Aufsichtspflicht stellt es wiederum dar, wenn man sein zwölfjähriges Kind unbeaufsichtigt Ski fahren lässt, sofern es darin geübt ist. Es muss also immer der Einzelfall geprüft werden.

Unabhängig von einer Haftung der Eltern ist die Frage zu beantworten, ob das Kind selbst haftet. Kinder, welche das siebte Lebensjahr nicht vollendet haben, haften nie. Ihnen fehlt die sogenannte Deliktsfähigkeit. Wer zwar das siebte Lebensjahr, aber nicht das zehnte Lebensjahr vollendet hat, haftet nicht für den Schaden, den er bei einem Unfall im Straßenverkehr anderen zufügt, es sei denn, er hat vorsätzlich gehandelt. Ein Neunjähriger, der mit seinem Fahrrad absichtlich gegen parkende Autos fährt, haftet für den Schaden. In allen anderen Fällen muss im Einzelfall geprüft werden, ob das minderjährige Kind die dem Alter angemessene nötige Reife und Einsichtsfähigkeit besessen hat, um sich der Folgen seines Tuns hinreichend bewusst zu sein, also haftbar zu machen ist.