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"Freistellung = Freizeit?"

April 2014
von Sven Thora
(Rechtsberater in Bremerhaven)


Viele Arbeitnehmer werden im Falle einer Kündigung gleich bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses freigestellt - doch was heißt das? Darf ich über meine Zeit nun frei verfügen?

Das ist leider nicht automatisch der Fall. Denn Freistellung bedeutet zunächst nur, dass der oder die Betroffene von der Arbeitsleistung freigestellt ist. Entscheidend ist die Frage, ob die Freistellung widerruflich oder unwiderruflich erfolgt.

Nur bei der unwiderruflichen Freistellung verzichtet der Arbeitgeber entgültig auf die Erbringung der Arbeitsleistung. In diesem Fall kann ein Arbeitnehmer auch längere Zeit abwesend sein, zum Beispiel in den Urlaub fahren, ohne gleich um seinen Lohn bangen zu müssen. Anders ist es im Falle der widerruflichen Freistellung. Hier kann der Arbeitsvertrag bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses fortbestehen. Das heißt, hier muss sich der oder die Betroffene in Bereitschaft halten. Doch Achtung: Nur, wenn eindeutig erkennbar wird, dass die Freistellung auf Widerruf erfolgt, kann der Arbeitgeber davon Gebrauch machen. Wurde hingegen "nur" eine Freistellung vereinbart, gilt sie im Zweifel als unwiderruflich.

Auch die Annahme einer Nebentätigkeit während der Freistellung kann zu erheblichen Problemen führen, insbesondere kann das hierdurch erzielte Einkommen den bisherigen Vergütungsanspruch reduzieren oder gar ausschließen. Dies hängt vom Einzelfall ab. Wer also beabsichtigt, während der freistellung einer anderen Bechäftigung nachzugehen, sollte sich zuvor beraten lassen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.