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Doppelte Haushaltsführung in der Steuererklärung
7. Januar 2014
von Andreas Hornsmann (Berater für Steuerrecht in Bremen-Nord)

Im Oktober 2013 kam Familie Koch* zu mir in die persönliche Beratung. Herr Koch ist Ingenieur im Hochbau und war im Jahr 2012 in Stuttgart eingesetzt. Frau Koch war zur gleichen Zeit in Teilzeit als Bürokauffrau tätig und betreute die neunjährigen Zwillinge. Familie Koch legte mir die Unterlagen zur eingereichten Steuererklärung und den Steuerbescheid für 2012 vor. Das Finanzamt hatte die Kosten, die durch die Familienheimfahrten entstanden waren, deutlich gestrichen. Kosten für einen Verpflegungsmehraufwand waren ebenfalls nicht berücksichtigt worden.

Ich konnte Familie Koch bei einem Einspruch gegen den Steuerbescheid helfen. Denn mit Urteil des Bundesfinanzhofs vom 18.4.13 (VI R 29/12) wurde entschieden, dass Pendler Heimfahrten mit der Entfernungspauschale abrechnen können, selbst wenn sie dafür weniger oder nichts ausgegeben haben (etwa als Mitfahrer). Herr Koch muss also seine Fahrtkosten nicht nachweisen. Das Finanzamt darf nur Belege zum Nachweis darüber verlangen, dass Herr Koch überhaupt und wie oft er gefahren ist.

Wie alle Berufstätigen mit doppelter Haushaltsführung kann Herr Koch für maximal eine Heimfahrt pro Woche pauschal 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Wegstrecke als Werbungskosten in seiner Steuererklärung ansetzen. Die Miete am Einsatzort hatte der Arbeitgeber in voller Höhe übernommen, dadurch konnte Herr Koch dafür keine Werbungskosten geltend machen. Somit waren für ihn im Jahr 2012 Heimfahrten wie folgt zu berücksichtigen: 46 Heimfahrten x 630 km x 30 Cent Entfernungspauschale = 8.694 Euro.

Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent würde dies zu einer zusätzlichen Steuererstattung inklusive Solidaritätszuschlag von 2.608,20 Euro  führen. Nach dem Bundesfinanzhof-Urteil hat das Finanzamt die Kosten von 8.694 Euro auch dann anzuerkennen, wenn der Arbeitnehmer mit  doppeltem Haushalt nur wenig oder keine Fahrtkosten hat. Ob Selbstzahler oder Mitfahrer, jeder kann den vollen Betrag als Werbungskosten  absetzen. Das Finanzamt darf jedoch um die Beträge kürzen, die der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter als Fahrkarten oder Fahrtkostenerstattung zur  Verfügung stellt. Wenn der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Firmenwagen zur Verfügung stellt, so können in der Steuererklärung keine  Werbungskosten für die Familienheimfahrten geltend gemacht werden. Weiterhin konnte Herr Koch den pauschalen Verpflegungsmehraufwand für  drei Monate geltend machen (mehr ist gesetzlich nicht möglich), da er die doppelte Haushaltsführung zum 2.1.2012 begonnen hatte.

Werden in einer  Steuererklärung erstmalig Werbungskosten für eine doppelte Haushaltsführung geltend gemacht, so muss man sich auf Rückfragen des Finanzamts einstellen. Herr Koch sollte zum Beispiel die Anzahl der Familienheimfahrten nachweisen. Er hatte vorsichtshalber Tankquittungen und Rechnungen der Autobahnraststätten sowie Bahnfahrkarten aufbewahrt.

Für Herrn Koch war es kein Problem, die Familienheimfahrten anerkannt zu bekommen, da seine Familie in Bremen wohnt und er seinen Lebensmittelpunkt hier behalten hat. Probleme können allerdings bei Pendlern entstehen, die ohne Trauschein zusammenleben. Sind es weniger als zwei Heimfahrten pro Monat, geht das Finanzamt oft davon aus, das der Lebensmittelpunkt verlagert wurde und am neuen Arbeitsort liegt und erkennt keine doppelte Haushaltsführung an.

*Name von der Redaktion geändert