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"Im Bewerbungsgespräch muss ich immer die Wahrheit sagen"
15. Mai 2012

Wenn Sie im Bewerbungsgespräch Fragen gestellt bekommen, die über das berechtigte Interesse des Arbeitgebers bezüglich des ausgeschriebenen Jobs hinausgehen, sind diese zwar nicht erlaubt, beantworten sollten Sie sie trotzdem. Flunkern dürfen Sie in diesem Fall. Schwierig ist allerdings die Einordnung der Fragen in zulässig oder unzulässig.

Zulässig sind Fragen zu Qualifikation und persönlicher Eignung; also beispielsweise zu Ausbildung und Berufserfahrung. Unzulässig sind im Allgemeinen Fragen zu Religionszugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft, politischer Einstellung, Ämtern, Ehrenämtern und Vereinsmitgliedschaften. Ebenfalls nicht erlaubt sind Fragen zu Krankheiten, Schwangerschaft, Kinderwunsch und Heirat, sexueller Orientierung, zum Grund für die Kündigung des vorherigen Jobs, zur finanziellen Situation und zu Vorstrafen. Allerdings gibt es berufsspezifische  Ausnahmen. Eine katholische Schule kann bei der Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern ein berechtigtes Interesse an der Konfessionszugehörigkeit haben. Ein neu einzustellender Redakteur einer Zeitung muss Auskunft über seine politische Richtung geben. Bei Vorstrafen gilt, ob die Taten für das Arbeitsfeld relevant sind, beispielsweise muss ein Berufskraftfahrer Auskunft über Verkehrs-, nicht aber über Diebstahlsdelikte geben.

Als Bewerberin oder Bewerber sollten Sie also auf unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch vorbereitet sein. Bleiben Sie ruhig, auch wenn Sie sich darüber ärgern, dass Ihnen eine unzulässige Frage gestellt wird, beispielsweise zu Ihrer Familienplanung. Sie dürfen hier wahrheitswidrig antworten. Natürlich sollte die Antwort strategisch sinnvoll sein wie zum Beispiel: "Dazu habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. In den nächsten Jahren ist das für mich kein Thema." Denn wenn Sie auf die Frage schweigen, könnte sich der Arbeitgeber daraus eine Antwort erschließen, die Ihre Chancen auf den Arbeitsplatz verringern.