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Gilt für das Ausbildungsverhältnis ein Tarifvertrag?

 

Für das Ausbildungsverhältnis gilt dann ein Tarifvertrag, wenn

  • im Ausbildungsvertrag auf einen Tarifvertrag verwiesen wird oder
  • Azubi und ausbildender Betrieb Mitglied der tarifvertragschließenden Parteien sind (Gewerkschaft und Arbeitgeberverband) oder
  • der Betrieb seit längerem die Bezahlung freiwillig nach Tarif regelt und die Arbeitnehmer und Azubis deshalb von einem Tariflohn/-gehalt ausgehen können („betriebliche Übung") oder
  • der Tarifvertrag allgemein verbindlich ist, das heißt, für alle in der jeweiligen Branche zu ihrer Ausbildung Beschäftigten zur Anwendung kommt

Nähere Informationen zum Inhalt des Tarifvertrages erhalten Sie in Ihrem  Ausbildungsbetrieb oder beim Bremer Tarifregister.

Wer Mitglied in einer Gewerkschaft ist, kann sich natürlich auch dort über den geltenden Tarifvertrag informieren. Zu den großen Dachverbänden in Deutschland zählt u.a. der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), unter dessen Dach sich der Großteil der Einzelgewerkschaften organisiert. Eine Übersicht der Gewerkschaften in Deutschland bietet die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia

 

 

Wie hoch muss die Ausbildungsvergütung sein?

 

Wenn Sie eine Berufsausbildung machen, haben Sie auch Anspruch auf eine angemessene Bezahlung. Angemessen heißt, sie muss bei einer betrieblichen Ausbildung mindestens 80 Prozent und bei einer überbetrieblichen Ausbildung mindestens 70 Prozent dessen betragen, was in den einschlägigen Tarifverträgen festgelegt ist. Ist die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Vergütung geringer, haben Sie Anspruch auf mehr Geld. Der Arbeitgeber muss dann mindestens den Tariflohn beziehungsweise das Tarifgehalt zahlen.

 

 

Müssen Überstunden bezahlt werden?

 

Wer über die tägliche Ausbildungszeit hinaus im Betrieb arbeitet, hat auch Anspruch auf eine Vergütung dieser Mehrarbeit beziehunsgweise auf einen Freizeitausgleich. Sofern Sie und Ihr Ausbilder keine vertragliche Vereinbarung hierüber getroffen haben und sich auch nicht im Gespräch darüber einigen können, steht dem Ausbildungsbetrieb ein Wahlrecht zu. Der Arbeitgeber kann dann also darüber entscheiden, ob die Überstunden bezahlt werden oder „abgefeiert" werden können.

 

 

Ist nach der Berufsschule der Nachmittag frei?

 

Hier macht der Gesetzgeber einen Unterschied zwischen jugendlichen und volljährigen Auszubildenden:

  • Jugendliche Azubis werden an einem Tag in der Woche zu einem Berufsschulunterricht von mehr als fünf Unterrichtsstunden von je 45 Minuten Dauer von der betrieblichen Ausbildung freigestellt. In diesem Fall wird der Berufsschultag mit einer Arbeitszeit von acht Stunden verrechnet. Im Falle eines Blockunterrichts von mehr als 25 Unterrichtsstunden an fünf Tagen in der Woche werden 40 Stunden angerechnet. Nach der Berufsschule sind die Nachmittage in diesen Fällen also frei.
  • Volljährige Azubis dagegen haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung von der betrieblichen Ausbildung nach der Berufsschule. Sie müssen also grundsätzlich nach dem Berufsschulunterricht wieder im Betrieb erscheinen.

 

 

Wie viel Urlaub steht mir als Azubi zu?

 

Die Urlaubsdauer ist im Ausbildungsvertrag geregelt  Dabei müssen Sie zusammen mit Ihrem Ausbilder darauf achten, dass die Urlaubsdauer nicht den gesetzlich festgelegten Mindesturlaub unterschreitet. Dieser beträgt für volljährige Auszubildende 24 Werktage, also vier Wochen. Bei minderjährigen Auszubildenden richtet sich die Urlaubsdauer nach dem Lebensjahr zu Beginn des Kalenderjahres. Für 15-Jährige beträgt der Urlaubsanspruch 30 Werktage, für 16-Jährige 27 Werktage und für 17-Jährige 25 Werktage. Da jugendliche Auszubildende grundsätzlich nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden dürfen, entspricht dies 25, 23 und 20 Arbeitstagen.

 

Gilt für das Ausbildungsverhältnis ein Tarifvertrag, so ist dieser für die Urlaubsdauer maßgeblich. Dem Arbeitgeber steht es aber frei, mehr Urlaub als im Tarifvertrag vorgesehen zu gewähren. Ist der Urlaub im Ausbildungsvertrag also höher als im Tarifvertrag, dann gilt der Ausbildungsvertrag.

 

 

Wer entscheidet über Zeitpunkt und Länge des Urlaubs?

 

Der Betrieb legt fest, wann und in welchen Zeitabschnitten Urlaub genommen werden kann. Allerdings muss sich der Ausbilder nach den Urlaubswünschen der Auszubildenden richten und darf nur dann davon abweichen, wenn dringende betriebliche Gründe oder Urlaubswünsche anderer Auszubildender unter sozialen Gesichtspunkten vorrangig zu berücksichtigen sind.

 

Empfehlenswert ist, den Urlaub in die Berufsschulferien zu legen, denn trotz Urlaubs besteht weiterhin Berufsschulpflicht. Der eigentliche Urlaubszweck „Erholung" könnte dadurch erheblich beeinträchtigt werden. Wenn der Betrieb keine Möglichkeit hat, Urlaub während der Berufsschulferien zu gewähren, werden Berufsschultage selbstverständlich nicht auf den Urlaub angerechnet.

 

 

Stellt der Betrieb Arbeitskleidung zur Verfügung?

 

Sofern im Ausbildungsvertrag oder Tarifvertrag keine diesbezüglichen Regelungen enthalten sind, besteht keine Verpflichtung für den Ausbildungsbetrieb, Arbeitskleidung bereit zu stellen, da diese nicht zu den Ausbildungsmitteln gehört. Eine Verpflichtung zur Überlassung von Schutz- und Sicherheitskleidung kann sich aber aus der Fürsorgepflicht des Ausbildenden und besonderen Unfallverhütungsvorschriften, bei Jugendlichen auch aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz, ergeben.

 

 

Wann ist eine Abmahnung gerechtfertigt?

 

Eine Abmahnung ist dann gerechtfertigt, wenn Sie als Azubi Ihre vertraglichen Verpflichtungen schuldhaft verletzt haben. Die Abmahnung hat eine Warnfunktion und enthält neben der Rüge eines konkreten Fehlverhaltens den Hinweis, dass im Wiederholungsfalle eine Kündigung erfolgt (FAQ Abmahnung).

Wenn Sie minderjährig sind, so muss die Abmahnung zu ihrer Wirksamkeit auch Ihrem gesetzlichen Vertreter zugehen (in der Regel sind das die Eltern).

 

 

Wann kann ein Ausbildungsverhältnis gekündigt werden?

 

Während der Probezeit von ein bis maximal vier Monaten können sowohl Sie als auch der Ausbildungsbetrieb das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Einhaltung einer Frist und ohne Angabe von Gründen kündigen.

 

Nach Ablauf der Probezeit kann der Arbeitgeber Ihnen nicht mehr fristgemäß kündigen, möglich ist dann nur noch eine fristlose Kündigung. Diese setzt aber einen wichtigen Grund voraus, der es Ihnen unzumutbar macht, das Ausbildungsverhältnis weiterzuführen. Die Frage, wann eine fristlose Kündigung zumutbar ist, kann nur im Einzelfall geklärt werden - immer unter Berücksichtigung der Interessen beider Parteien und mit dem Ziel, das Ausbildungsverhältnis aufrechtzuerhalten. Deshalb sind vertragliche Regelungen, die so genannte absolute Kündigungsgründe nennen, unwirksam.

 

Der fristlosen Kündigung muss eine Abmahnung vorausgehen. Ausnahme: Sie haben derart schwerwiegend gegen Ihre Pflichten verstoßen, dass Sie nicht damit rechnen konnten, dass Ihr Arbeitgeber darüber hinwegsieht - wie zum Beispiel bei Diebstahl, Unterschlagung oder Körperverletzung.

 

Sie selbst können dagegen unter Einhaltung einer Frist von vier Wochen während der Ausbildung kündigen. Voraussetzung ist aber, dass Sie bei Abgabe der Kündigung die Ausbildung aufgeben oder eine Ausbildung in einem anderen Beruf beginnen möchte. Diese Angaben müssen in der Kündigungserklärung enthalten sein. Eine weitergehende Begründung müssen Sie nicht liefern. Das bedeutet aber auch: Sie können nicht kündigen, um in einem anderen Betrieb dieselbe Ausbildung fortzusetzen; dies geht grundsätzlich nur im Einverständnis mit dem Ausbildungsbetrieb.

 

Darüber hinaus können Sie das Ausbildungsverhältnis aus wichtigen Gründen fristlos kündigen. Die Kündigung muss schriftlich und unter Angabe der Kündigungsgründe erfolgen.