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Wie viel steht einem Azubi eigentlich zu?

14. August 2014
von Thomas Ramm (ehemals Berater Mitbestimmung und Technologieberatung)

Es kann durchaus sein, dass man in der Ausbildung zum Bürokaufmann bei einer Bank sehr viel mehr verdient als ein Freund im gleichen Ausbildungsberuf in der Gastronomie. Grundsätzlich verlangt das Gesetz zwar eine ›angemessene Ausbildungsvergütung‹, allerdings wird diese nicht auf Grundlage des Ausbildungsberufs gezahlt, sondern richtet sich allein nach der Branche, in der die Ausbildung absolviert wird. Außerdem wichtig: Gilt für den Lehrberuf ein Tarifvertrag?



Wie erkennt man, ob ein Tarifvertrag für die eigene Ausbildung gilt?

Tarifverträge werden für Branchen zwischen den Gewerkschaften und Arbeitgebern beziehungsweise Arbeitgeberverbänden abgeschlossen. Für ein Ausbildungsverhältnis gilt ein Tarifvertrag, wenn

  • im Ausbildungsvertrag auf einen Tarifvertrag verwiesen wird oder
  • der Auszubildende und der Ausbildungsbetrieb Mitglied der tarifvertragsschließenden Parteien sind – also Gewerkschaft und Arbeitgeberverband – oder
  • der Betrieb seit Längerem die Bezahlung freiwillig nach Tarif regelt und man deshalb von einem Tariflohn ausgehen kann oder
  • der Tarifvertrag allgemeinverbindlich ist, das heißt, er für alle beschäftigten Azubis in der jeweiligen Branche gilt.

Im Zweifel fragt man bei der zuständigen Gewerkschaft nach. Wenn ein Tarifvertrag vorliegt, dürfen im Ausbildungsvertrag keine niedrigeren Vergütungssätze vereinbart sein als dort angegeben.

Was bekommt man bezahlt, wenn es keinen Tarifvertrag gibt?

Nicht tarifgebundene Ausbildungsbetriebe haben eine ›angemessene‹ Ausbildungsvergütung zu zahlen. Das Bundesarbeitsgericht hat bestimmt, dass die Vergütung dann nicht mehr als 20 Prozent unter dem Tariflohn liegen darf (nicht mehr als 30 Prozent bei überbetrieblichen Ausbildungen).

Was kann man tun, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt, was einem zusteht?

Zunächst einmal sollte man mit dem Arbeitgeber sprechen und um Aufklärung bitten. Hilft das nicht weiter, setzt man sich am besten direkt mit der zuständigen Gewerkschaft oder mit uns – der Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer – in Verbindung, um zu klären, was man noch tun kann. Die Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern im Falle eines Rechtsstreits mit dem Arbeitgeber einen umfangreichen Rechtsschutz an.