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Wenn aus Hänschen Hans wird

28. Februar 2012
von Heinrich Thora (Geschäftsstellenleitung Bremen-Nord)

Im Sommer beenden viele Azubis ihre Ausbildung. In den letzten drei Jahren haben sie viel gelernt und der Abschluss rückt nun in greifbare Nähe. Fachlich gerüstet und motiviert sehen sie dem Karrierestart entgegen. Doch soll der Übergang ins Berufsleben erfolgreich verlaufen, will er gut vorbereitet sein. Wir haben die wichtigsten Tipps zusammengestellt.

Bewerbungsunterlagen
Wenn Auszubildende nicht von ihrem Arbeitgeber übernommen werden, steht die Bewerbung an erster Stelle. Doch wer ›mal eben‹ ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf zu Papier bringt, läuft Gefahr, wichtige Dinge zu übersehen und nicht zu punkten.

Als Erstes wird vom potenziellen Arbeitgeber das Bewerbungsschreiben gelesen. Wichtig ist also, darauf zu achten, dass keine Rechtschreibfehler enthalten sind. Außerdem sollte man, ohne zu übertreiben, deutlich zum Ausdruck bringen, warum man genau der oder die Richtige für die ausgeschriebene Stelle ist.

Auch der Lebenslauf sollte nicht nur persönliche Daten und die Zeiten der Schul- und Berufsausbildung enthalten. Soweit besondere und für das Berufsbild sinnvolle Kenntnisse vorhanden sind, können auch diese in den Lebenslauf aufgenommen werden. Praktika, Fremdsprachenkenntnisse, Computerkenntnisse oder auch ehrenamtliche Tätigkeiten runden das Bewerbungsprofil ab.

Wichtig ist es auch, der Bewerbung ein professionelles Foto beizulegen. Der Weg zum Fotografen lohnt sich: Der erste äußere Eindruck ist auf dem Weg zur Einladung zum Vorstellungsgespräch von großer Bedeutung.

Zwischenzeugnis
Zu den Bewerbungsunterlagen gehören auch Zeugnisse. Der Arbeitgeber ist allerdings erst bei Beendigung der Ausbildung gesetzlich verpflichtet, ein Ausbildungszeugnis zu erstellen. Ist jedoch schon längere Zeit vor Beendigung der Ausbildung bekannt, dass eine Übernahme in ein Arbeitsverhältnis nicht infrage kommt, so liegt hierin ein triftiger Grund für die Aushändigung des Zwischenzeugnisses vor Beendigung der Ausbildung.

Wenn Auszubildende vom Arbeitgeber übernommen werden*, brauchen sie sich über eine Bewerbung keine Gedanken zu machen. Und auch unter rechtlichen Gesichtspunkten haben in ein Arbeitsverhältnis übernommene Auszubildende gegenüber neu eingestellten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Vorteile, denn Arbeits- und Ausbildungsverhältnis sind in einigen Punkten faktisch als Einheit anzusehen.

Der Kündigungsschutz beispielsweise setzt sofort ein, weil das vorangegangene Ausbildungsverhältnis bei der im Kündigungsschutzgesetz festgelegten Wartezeit von sechs Monaten zu berücksichtigen ist.

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bleibt erhalten und entsteht nicht erst wie bei neu eingestellten Beschäftigten nach vierwöchiger ununterbrochener Beschäftigung.

Ein Urlaubsanspruch aus der Ausbildungszeit kann bei nahtlosem Übergang in ein Arbeitsverhältnis nicht durch Auszahlung abgegolten werden, sondern besteht weiter.

Die Vereinbarung einer Probezeit trotz vorangegangener Ausbildung in demselben Betrieb ist allerdings – sofern nicht tarifvertraglich ausgeschlossen – zulässig. Eine Auswirkung auf den von Anfang an bestehenden Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz hat die Probezeit aber nicht.

Die Übernahme von Auszubildenden in ein Arbeitsverhältnis bedarf im Regelfall einer entsprechenden Vereinbarung. Eine Verpflichtung des Arbeitgebers zur Übernahme besteht dann, wenn diese in einem Tarifvertrag festgelegt ist oder wenn Auszubildende Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung sind. Die Übernahme muss innerhalb der letzten drei Monate vor Beendigung des Ausbildungsverhältnisses vom Auszubildenden schriftlich verlangt werden.

*Dies betrifft nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung aus dem Jahre 2009 im gesamten Bundesgebiet zwischen 49 Prozent in Kleinstbetrieben und 69 Prozent in Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten.


Weitere Informationen:
 


Auszubildende im Land Bremen sind Mitglied bei uns und können sich rechtlich beraten lassen, beispielsweise zu den Fragen:

  • ›Was muss im Ausbildungszeugnis stehen?‹
  • ›Was kann ich tun, wenn ich mich im Ausbildungszeugnis zu schlecht bewertet fühle?
  • ›Worauf muss bei einem Arbeitsvertrag achten?‹
Kontakt zur Rechtsberatung:
Bremen 0421·36301-0
Bremen-Nord 0421·66950-0
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