
Paten helfen Schülern beim Übergang in die Ausbildung
29. September 2011
von Nathalie Sander (Leitung Öffentlichkeitsarbeit)
Ein Top-Bewerbungsschreiben, gute Noten, hohe Motivation, ein perfekter Auftritt beim Bewerbungsgespräch – dies sind nur einige der zahlreichen Voraussetzungen, die Jugendliche heute im Wettbewerb um einen Ausbildungsplatz erfüllen müssen. ›Der Weg von der Schule in Ausbildung ist hart, gerade für diejenigen, die niemanden haben, der sie unterstützen kann‹, weiß Ilse Sandjo, Koordinatorin des Projekts Ausbildungsbrücke Bremen der Diakonie. Seit drei Jahren organisiert sie für das Projekt Ausbildungspatenschaften.
Foto (von links nach rechts): Eva Maria Haverland, Cedic Tongnevi, Ilse Sandjo
Schwierig war es anfangs auch für Cedric Tongnevi. Der heute 18-Jährige ist erst vor zwei Jahren aus Togo nach Deutschland gekommen. Cedric hatte bei seiner Ankunft zwar sein Abitur ›im Gepäck‹ (in Deutschland anerkannt als fachgebundene Hochschulreife), aber keinerlei Kenntnisse über den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Dank der Patenschaft, die in diesem Fall Ilse Sandjo sogar selbst übernommen hat, konnte er inzwischen seine Ausbildung als IT-Systemelektroniker bei der Deutschen Telekom AG beginnen. ›Ich interessiere mich sehr für Technik, deshalb bin ich froh, dass es geklappt hat‹, lächelt Cedric Tongnevi. Um zu testen, ob ihm der Job wirklich gefällt, hat er im Vorfeld ein Praktikum gemacht. Für den Kontakt hat die Patin gesorgt – denn Ilse Sandjo hat bis zu ihrer Pensionierung selbst 43 Jahre lang bei der Deutschen Telekom AG gearbeitet. ›Als ich gemerkt habe, dass sein Interesse in diese Richtung geht, konnte ich gleich aktiv werden.‹
Die Kontakte und das Know-how der Paten sind einer der Gründe, warum das Projekt so gut funktioniert. ›Es geht aber auch oft darum, den Jugendlichen Impulse oder Ideen zu liefern und ihnen Wege aufzuzeigen, über die sie in Ausbildung kommen‹, erläutert Sandjo. Viele der Hauptschüler, an die sich das Projekt in erster Linie richtet, wüssten nur selten, wie sie bei ihrer Ausbildungssuche vorgehen sollen. ›Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund haben häufig keine Netzwerke, die ihnen bei der Orientierung helfen – das leisten dann unsere Paten‹, sagt Sandjo. In Bremen sind derzeit 50 Paten in der Ausbildungsbrücke aktiv, 42 Patenschaften bestehen aktuell. Bundesweit gibt es die Ausbildungsbrücke mittlerweile an 35 Standorten.
Doch nicht nur Netzwerke und Ideen sollen die Paten einbringen. ›Wichtig ist vor allem, dass sie selbst hoch motiviert sind, denn eine Patenschaft muss auch Rückschläge und schwierige Situationen verkraften können‹, warnt Sandjo vor zu viel Idealismus. Aber möglichst auch genügend Zeit und Lust seien nötig, um sich regelmäßig mit dem Patenkind treffen und austauschen zu können, ›wobei man nicht schon Rentner sein muss, 80 Prozent unserer Paten sind noch berufstätig‹, betont die Koordinatorin. Auf fünf Jahre sind die Patenschaften angelegt, von der neunten Klasse bis zum Ende der Ausbildung. Das sei zwar ein langer Zeitraum, gibt Sandjo zu. Aber es gehe eben nicht darum, jemanden schnell in Ausbildung zu bekommen, sondern die Jugendlichen auch langfristig zu begleiten, um am Ende die Ausbildung auch erfolgreich abzuschließen.
Diesen Weg hat auch Cedric Tongnevi noch vor sich, aber den ersten Schritt hat er bereits geschafft, nämlich einen Ausbildungsplatz gefunden – ›allerdings war ich hier nicht allein beteiligt‹, gesteht Ilse Sandjo. Denn bevor sie mit ihrem Patenkind auf Ausbildungsplatzsuche gehen konnte, hat zunächst eine Sprachpartnerin der Caritas für die nötigen Deutschkenntnisse gesorgt, um darauf dann beruflich aufzubauen. ›In diesem Fall hat genau das geklappt, was aus unserer Sicht so wichtig ist: eine Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Angeboten und Hilfen‹, betont Eva Maria Haverland vom Jugendmigrationsdienst des Caritas-Verbands Bremen-Nord. Denn mit ihrem Projekt ›Sprachpartnerschaft‹ unterstützt sie Jugendliche wie Cedric Tongnevi, die frisch nach Deutschland immigriert sind. ›Die meisten sind hoch motiviert und wollen gern einen Schulabschluss machen – unsere Sprachpartner helfen ihnen dabei‹, sagt Haverland.
Doch damit sei ihre Aufgabe dann erfüllt, um die Ausbildung müssten sich die jungen Migrantinnen und Migranten später selbst kümmern. Dass das nicht immer leicht ist, weiß inzwischen Cedric Tongnevi. ›Erst von Frau Sandjo habe ich gelernt, wie man in Deutschland miteinander redet – dass ich zum Beispiel meinen Gesprächspartner ansehen muss‹, erinnert er sich. Denn in seiner Heimat Togo gelte es als Unverschämtheit, jemand Älterem in die Augen zu sehen. Und nachzufragen oder einzugestehen, dass man etwas nicht verstanden hat, sei ihm ebenfalls fremd gewesen. Diese Kommunikationsschwierigkeiten sind spätestens im Vorstellungsgespräch ein Problem, sagt die ehemalige Telekom-Führungskraft Sandjo: ›Wenn ein Bewerber immer nur an die Wand starrt und auf jede Frage hin lächelt und mit ja, ja antwortet, hat er schlechte Karten – da kann er fachlich noch so begabt sein.‹ Und all das lasse sich nun mal nicht im Schnelldurchgang vermitteln – das koste Zeit und Geduld.
Zu lohnen scheint es sich in jedem Fall: Rund die Hälfte der Jugendlichen in der Ausbildungsbrücke hat einen Ausbildungsplatz ergattert. Und für die Paten sei es ohnehin ein Gewinn, schwärmt Ilse Sandjo: ›Ich gebe nicht nur etwas, sondern bekomme auch sehr viel von den Jugendlichen zurück – das ist immer ein gemeinsames Projekt.‹
- ›Ausbildung – bleib dran‹: Vermittlung und Beratung bei Ausbildungskonflikten
Unterstützung von Azubis im Handwerk bei der positiven Bewältigung von Ausbildungskonflikten. Die Beratungen finden direkt an verschiedenen Berufsschulen statt (Beratungsorte und -zeiten, Kontakt: Bremen 0421·218-56717/Bremerhaven 0471·185-299). - Ausbildungsberatung der Handelskammer Bremen
Allgemeine Beratung zum Thema Ausbildung. Bei Konflikten in der Ausbildung kann der Schlichtungsausschuss der Handelskammer hinzugezogen werden. Kontakt: Guido Büscher (Ausbildungsberater), 0421·3637-266. - Ausbildungsberatung der Handwerkskammer
Information und Beratung für Betriebe und Lehrlinge zur Berufsausbildung. Auch die Begleitung von Konfliktgesprächen im Betrieb ist möglich. Kontakt zu den Ausbildungsberatern: 0421·30500-130 (Michael Weiß) oder -131 (Gabriela Schierenbeck). - Jobstarter-Initiative VerA
›Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung Jugendlicher in der Berufsausbildung durch SES-Ausbildungsbegleiter‹ (VerA) ist ein Angebot an alle, die in der Ausbildung auf Schwierigkeiten stoßen oder daran denken, ihre Lehre abzubrechen. Ehrenamtliche Senior Expertinnen und Experten stehen den Azubis als begleitende Vertrauenspersonen zur Seite. Kontakt: 0421·6594201 (Eckard Hasselmann). - Rechtsberatung der Arbeitnehmerkammer Bremen
Auszubildende im Land Bremen sind Mitglied bei uns und können sich rechtlich beraten lassen, beispielsweise zu den Fragen: ›Was muss im Ausbildungsvertrag stehen?‹, ›Wie reagiere ich auf eine Abmahnung?‹ oder ›Was tue ich, wenn ich mit meinem Ausbilder nicht zurechtkomme?‹ Kontakt zur Rechtsberatung: Bremen 0421·36301-0, Bremerhaven 0471·92235-0.


